EU-Kommission sieht Defizite im Jugendschutz bei TikTok und droht mit Geldstrafen

EU-Kommission sieht Defizite im Jugendschutz bei TikTok und droht mit Geldstrafen

Juli 24, 2026
1 min. lesezeit

Brüssel – Die EU-Kommission hat TikTok wegen unzureichender Schutzmaßnahmen für minderjährige Nutzer kritisiert. Nach ersten Ermittlungen stellt die Behörde fest, dass die Plattform potenziell gefährlich für Kinder und Jugendliche sei, da sie nicht über angemessene Sicherheitsstandards verfüge.

Ein zentraler Kritikpunkt ist, dass öffentliche Benutzerkonten von Minderjährigen für Fremde einsehbar sind. Dies ermögliche es Dritten, junge Nutzer mit möglicherweise missbräuchlichen Absichten zu kontaktieren. Zudem bestehe das Risiko, dass Inhalte, die von Minderjährigen veröffentlicht werden, für immer online bleiben und negative Folgen bis ins Erwachsenenalter nach sich ziehen könnten.

Um diesen Bedenken entgegenzuwirken, fordert die Kommission, dass TikTok seine Einstellungen anpasst. Die Inhalte von Kindern sollen standardmäßig nur für genehmigte Follower sichtbar sein. Außerdem wird gefordert, dass Beiträge von 16- und 17-Jährigen nicht länger anderen Nutzern empfohlen werden.

Wird sich der Verdacht durch die laufenden Prüfungen bestätigen und TikTok unkooperativ bleiben, drohen hohe Strafen. Die Kommission könnte formell einen Verstoß feststellen und Geldstrafen in Höhe von bis zu sechs Prozent des jährlichen Umsatzes verhängen. Auch die Möglichkeit täglicher Strafen könne in Betracht gezogen werden, um das Unternehmen zum Handeln zu bewegen.

TikTok hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Ein Sprecher betont, dass bereits beim Einrichten von Jugendkonten umfassende Datenschutz- und Sicherheitsfunktionen zur Verfügung stünden. Viele der Einstellungen seien in Zusammenarbeit mit Experten entwickelt worden. Zudem könnten jüngere Teenager keine Direktnachrichten senden.

Die Plattform zählt mehr als 200 Millionen Nutzer in Europa und ist insbesondere bei Jugendlichen beliebt. Neben den laufenden Untersuchungen gibt es auch eine Debatte über strengere Altersgrenzen für soziale Netzwerke. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat angekündigt, nach dem Sommer einen Vorschlag zu präsentieren, um Kinder besser zu schützen. In mehreren Mitgliedstaaten, darunter Frankreich, werden nationale Vorschläge für ein Social-Media-Verbot für Kinder erarbeitet.

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