Ex-Steueranwalt Hanno Berger, eine zentrale Figur im Cum-Ex-Skandal, hat erstmals seit seiner Verurteilung Einblicke in die Strukturen der Finanzwelt gegeben. Er äußerte sich in einem Interview mit dem WDR und beleuchtet die Dimensionen seiner Geschäfte, die ihm zu einer langen Haftstrafe verhalfen. Laut Berger wurden Steuern in dreistelliger Millionenhöhe erstattet, die niemals gezahlt worden waren. Dafür wurde er von den Gerichten sowohl in Bonn als auch in Wiesbaden verurteilt.
Im Interview beschreibt Berger sein Leben und den dramatischen Wandel von einer angesehene Karrierete mit großen Erfolgen zu einem Leben im Gefängnis. Er ist der Ansicht, dass es für ihn Gesetze gab, die in der Vergangenheit nicht eindeutig waren, und er fühlt sich als „Bauernopfer“ einer größeren Thematik. Bei den Cum-Ex-Geschäften hätten beide Parteien, der wirtschaftliche und der rechtliche Eigentümer, Steuererstattungen geltend machen können, obwohl nur einer die Steuer bezahlt hatte.
Diese Sichtweise stößt auf Widerstand, da auch der Bundesgerichtshof entschieden hat, dass Cum-Ex-Geschäfte illegal waren. Berger bleibt allerdings unbeeindruckt und bezeichnet die juristischen Argumente als „Unsinn“. Trotz der klaren Urteile hat er nicht nur seine rechtlichen Schritte, sondern auch einen emotionalen Rückblick auf seinen Absturz geteilt.
Sein früheres Leben als erfolgreicher Steueranwalt wird mit einem gefährdeten Geschäftsmodell verknüpft, das ihm immense Gewinne brachte. Die Umwandlung seines Elternhauses in ein luxuriöses Anwesen hat er in dieser Zeit gefeiert, während ein Großteil seiner Einnahmen in den Ausbau seines Familienanwesens geflossen ist.
Berger wurde 2022 aus der Schweiz an Deutschland ausgeliefert und kämpft seitdem gegen seine Haftstrafe. In den letzten vier Jahren sind alle Rechtsmittel gegen seine Verurteilung gescheitert. Aktuell verfolgt er eine Beschwerde vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Trotz seiner Situation bekräftigt er seinen Willen zur Freiheit: „Ich will raus. Ich werde mich wehren, solange ich kann.“
Die Aufarbeitung des Cum-Ex-Skandals zieht sich bereits über 14 Jahre, mit zahlreichen Beschuldigten. Bisher wurden jedoch nur einige wenige Fälle rechtlich verfolgt. Berger ist einer der wenigen, die zu einer bedeutenden Haftstrafe verurteilt wurden. Trotz dieser Entwicklungen bleibt der finanzielle Rückfluss der erbeuteten Gelder ein schwieriges Thema, da nur ein Bruchteil zurückgebracht werden konnte.