In Deutschland spricht sich der Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) für eine verpflichtende Betriebsrente aus. In der Debatte um die Reform der Altersvorsorge unterstützt er damit die Forderung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Klingbeil äußerte in der ARD-Sendung „Arena“, dass eine betriebliche Altersvorsorge für alle Arbeitnehmer hilfreich wäre.
Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi hatte zuvor in einem Interview dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) das Anliegen bekräftigt. Sie schlägt vor, eine verpflichtende betriebliche Altersvorsorge einzuführen, die in Tarifverträgen geregelt werden sollte.
Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) dient als freiwillige Zusatzrente, die die gesetzliche Rente ergänzt. Arbeitgeber organisieren und verwalten diese Vorsorgeform. In der Regel werden die Beiträge über verschiedene Anlageformen oder Versicherungen angespart und als monatliche Rente oder Einmalzahlung im Ruhestand ausgezahlt. Die Besteuerung erfolgt erst bei Auszahlung.
Aktuell haben in Deutschland nur etwa 52 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen 25 und 67 Jahren eine Betriebsrente. Diese Quote könnte durch eine gesetzliche Regelung gesteigert werden, was die Unternehmen und die DGB-Vorsitzende als Lösung für die Rentenlücke sehen.
Das Bundeskabinett hatte bereits im Vorjahr das Zweite Betriebsrentenstärkungsgesetz beschlossen, das verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der betrieblichen Altersvorsorge vorsieht. Dennoch gibt es Expertenstimmen, die anmerken, dass das Gesetz nicht ausreichend ist, um einen signifikanten Anstieg der bAV zu erreichen.
Arbeitgebervertreter, wie die Bundesvorsitzende der Mittelstandsunion, Gitta Connemann, kritisieren die Idee einer verpflichtenden Betriebsrente und warnen vor neuen finanziellen Belastungen für Unternehmen. Bei der Debatte um mögliche Alternativen wird auf internationale Modelle verwiesen, insbesondere die Betriebsrente in den Niederlanden und Schweden, die eine Kombination aus gesetzlicher und betrieblicher Altersvorsorge vorsehen.
Die Diskussion um die Reform der Altersvorsorge und die Rolle der betrieblichen Altersversorgung bleibt angespannt, da unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen.