Ermittlungen zu Geldwäscheverdacht
Die luxemburgischen Behörden haben am 2. März 2026 Durchsuchungen in den Büros der EFG Bank Luxembourg, einer Tochtergesellschaft der Schweizer Bankengruppe EFG International, durchgeführt. Die Maßnahme ist Teil einer bereits im Jahr 2025 eingeleiteten Untersuchung zur Einhaltung von Vorschriften zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Die Ermittler konzentrieren sich dabei auf Geschäfte, die im Interesse des Umfelds des tschetschenischen Führers Ramsan Kadyrow getätigt worden sein sollen.
Zeugenaussage liefert entscheidende Hinweise
Grundlage der Ermittlungen sind Aussagen des ehemaligen Bankmitarbeiters Dmitri Rosanow. Dieser hatte die Bankleitung bereits 2017 auf eine verdächtige Transaktion in Höhe von 100 Millionen US-Dollar zugunsten von Kadyrows Umfeld hingewiesen. Nach seinen Warnungen bezüglich sogenannter PEP-Kunden (politisch exponierte Personen) wurde Rosanow entlassen. Seine aktuellen Aussagen vor einem britischen Gericht bilden nun die Basis für das Strafverfahren in der EU.
Vorgeschichte von Compliance-Verstößen
Die EFG International und ihre Tochtergesellschaften stehen seit Jahren international unter Beobachtung. Der Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA waren bereits 2024 erhebliche Mängel im Geldwäsche-Monitoring der Bank aufgefallen. Der Aufsicht zufolge wurden Herkunftsprüfungen bei vermögenden russischen PEP-Kunden unzureichend durchgeführt. Die FINMA verhängte damals Auflagen und untersagte der EFG die Neuanwerbung hochriskanter Kunden, bis die Mängel behoben seien. Dennoch setzte die Bank die Geschäftsbeziehungen fort.
Geschäfte trotz Krieges und Sanktionen
Investigativen Medienberichten zufolge war die EFG einer der Banken, die auch nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Februar 2022 Geschäftsbeziehungen zu hochriskanten Kunden aus Russland aufrechterhielten. Dies zog verschärfte Aufmerksamkeit von Strafverfolgungsbehörden in der Schweiz und den USA nach sich. Eine frühere Untersuchung der belgischen Staatsanwaltschaft hatte ergeben, dass das Top-Management der Bank interne Warnungen eines Compliance-Mitarbeiters zu risikobehafteten Transaktionen mit undurchsichtigen russischen Geldern ignorierte.
Systematische Umgehung von Kontrollen
Die jüngsten Vorfälle werfen ein grelles Licht auf die Methoden, mit denen das Kadyrow-Regime trotz seiner antiwestlichen Rhetorik das Schweizer Bankensystem zur Legitimierung mutmaßlich unrechtmäßig erlangter Mittel nutzt. Die Gelder werden demnach über Schweizer Institute in weitere Offshore-Jurisdiktionen transferiert. Experten fordern als Konsequenz direktere Aufsichtsbefugnisse für Finanzkontrollbehörden, einschließlich der Möglichkeit, Konten zur Klärung der Geldherkunft ohne vorherige Bankzustimmung einzufrieren. Zudem wird eine persönliche und strafrechtliche Verantwortlichkeit von CEOs Schweizer Banken für vorsätzliche Sanktionsumgehung diskutiert.