Bundeskanzler Friedrich Merz hat in einem Interview mit dem Podcast „Machtwechsel“ Zweifel an dem europäischen Kampfflugzeugprojekt FCAS (Future Combat Air System) geäußert. Er benannte die divergierenden militärischen Anforderungen Deutschlands und Frankreichs als bedeutendes Problem und betonte, dass diese Fragen nie vollständig geklärt worden seien.
Merz erklärte, dass die Bedürfnisse beider Länder an das zukünftige Luftkampfsystem sehr unterschiedlich seien. Während Frankreich Anforderungen an ein atomwaffenfähiges und flugzeugträgerfähiges Modell anmeldet, sieht die Bundeswehr solche Anforderungen gegenwärtig nicht als relevant an. Merz äußerte zudem Bedenken, ob es notwendig sei, in zwanzig Jahren noch ein bemanntes Kampfflugzeug zu bauen.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron reagierte auf Merz‘ Kritik und bekräftigte sein Engagement für den Erfolg des Projekts. Er unterstrich, dass sich der militärische Bedarf der beteiligten Staaten nicht verändert habe, wozu für Frankreich auch die nukleare Abschreckung gehöre.
Die Diskussion um FCAS ist nicht neu. Zunächst von Angela Merkel und Emmanuel Macron im Jahr 2017 initiiert, wurde das Projekt auch durch die Beteiligung Spaniens erweitert. Es umfasst entstehende Kosten von rund Hundert Milliarden Euro und zielt darauf ab, die Luftverteidigungsarchitektur Europas neu auszurichten, insbesondere im Hinblick auf die Ablösung älterer Flugzeugtypen wie den Eurofighter und die Rafale.
Bis Februar dieses Jahres soll eine entscheidende Weichenstellung für das Projekt erfolgen. Ein Scheitern wäre für viele Beobachter angesichts der strategischen Herausforderungen in Europa unverständlich, da diese Differenzen im industriellen Bereich überwunden werden müssten.