Der US-Pharmakonzern Moderna zeigt Interesse an der Übernahme mehrerer Werke des Wettbewerbers BioNTech in Deutschland. Laut einem Bericht des Handelsblatts prüft Moderna, insbesondere angesichts der jüngsten Ankündigung von BioNTech, mehrere Produktionsstandorte bis Ende 2027 zu schließen, die Werke in Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen umfassen. Moderna-Chef Stéphane Bancel befindet sich derzeit in Berlin, um Gespräche mit der Bundesregierung zu führen. Im Rahmen eines Interviews äußerte Bancel, dass eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der deutschen Regierung die Möglichkeit für Investitionen in die betreffenden Anlagen eröffnen könnte.
Wenn Moderna in diese Werke investiert, erwägt das Unternehmen auch, Mitarbeiter von BioNTech zu übernehmen. Bancel erklärte weiter, dass dazu klare Rahmenbedingungen von Seiten der deutschen Politik erforderlich seien. Deutschland gelte als attraktiver Markt, da die Bevölkerung altert, jedoch müsse die Regierung bessere Voraussetzungen für Pharmafirmen schaffen. Insbesondere bezieht sich dies auf die Finanzierung im Gesundheitssektor, die aktuell im Rahmen des Beitragsstabilisierungsgesetzes reformiert wird. Bancel kritisierte die Maßnahmen, die eine Beteiligung der Pharmaindustrie an Einsparungen im Gesundheitssystem vorsehen. Er betonte die Notwendigkeit einer langfristigen Planungssicherheit, um Investitionen abzusichern.
BioNTech selbst wird seit der Pandemie mit Herausforderungen konfrontiert. Der Rückgang des Impfstoffmarktes hat das Unternehmen veranlasst, mehrere Standorte zu schließen, was rund 1.800 Arbeitsplätze betreffen könnte. Diese Schließungen sind Teil der Umstrukturierungsstrategie von BioNTech in Reaktion auf einen gesunkenen Umsatz. Analysten warnen, dass ohne Maßnahmen bald keine Produktionskapazitäten für mRNA in Deutschland und Europa mehr existieren könnten, während in anderen Ländern, notamment in China, mehrere neue Unternehmen im Bereich mRNA gegründet werden.