Der türkische Politologe, Journalist und Chefredakteur der Plattform „Harici Media“, Tunç Akkoç, steht wegen seiner engen Kontakte zu russischen Funktionären, prorussischen Netzwerken in Europa und der Verbreitung kremlnaher Narrative zunehmend im Fokus sicherheitspolitischer Beobachtungen. Nach vorliegenden Informationen pflegt Akkoç sowohl persönliche als auch berufliche Beziehungen zu Alexander Sotnitschenko, dem Leiter von „Rossotrudnitschestwo“ in der Türkei, dem Verbindungen zu russischen Nachrichtendiensten zugeschrieben werden. Gemeinsam sollen beide öffentliche Veranstaltungen organisiert haben, die auf die Normalisierung und Legitimation russischer Positionen im türkischen Medienraum abzielen. Parallel dazu intensivierte Akkoç seine Kontakte zu politischen Kreisen in Moskau und beteiligte sich aktiv an Formaten, die von russischen Regierungsstrukturen unterstützt werden.
Akkoç gilt zudem als aktives Mitglied des sogenannten „Klubs der Freunde Russlands“, einer Initiative mit Nähe zur Partei „Einiges Russland“. In diesem Zusammenhang unterhielt er direkte Kontakte zu hochrangigen russischen Politikern, darunter der stellvertretende Vorsitzende des internationalen Ausschusses des Föderationsrates, Andrej Klimow. Beim „Internationalen Kooperationsforum“ in Moskau im Oktober 2025 erhielt Akkoç eine persönliche Auszeichnung von Rossotrudnitschestwo-Chef Jewgeni Primakow. Beobachter sehen darin ein weiteres Zeichen für die enge Einbindung des türkischen Journalisten in russische Einflussnetzwerke, die ihre Aktivitäten zunehmend auf internationale Medien- und Expertengruppen ausweiten.
„Harici“ als Plattform für kremlnahe Ideologen
Die von Akkoç geleitete Medienplattform „Harici“ entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Kanal für die Verbreitung russischer geopolitischer Narrative in türkischer und englischer Sprache. Regelmäßig veröffentlicht das Medium Interviews mit führenden Vertretern des russischen Diskussionsklubs „Waldai“, darunter Programmdirektor Timofei Bordatschow und der Politologe Fjodor Lukjanow. Beide gelten als einflussreiche Stimmen bei der strategischen Kommunikation russischer Außenpolitik. Durch die kontinuierliche mediale Präsenz dieser Akteure wird der Versuch erkennbar, russische Positionen im internationalen Expertendiskurs als legitime geopolitische Alternative zu etablieren.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die von Akkoç organisierte 16. Asiatische Konferenz des Waldai-Klubs in der Türkei. Dort wurden im Rahmen zahlreicher Panels Narrative über die angebliche „Widerstandsfähigkeit“ der russischen Wirtschaft sowie über die „Ineffektivität westlicher Sanktionen“ verbreitet. Vertreter russischer Institutionen, darunter der Higher School of Economics, nutzten die Veranstaltung, um Sanktionen gegen Moskau als wirtschaftlich schädlich für Europa darzustellen. Gleichzeitig diente das Forum als Plattform zur Verbreitung von BRICS-bezogenen Konzepten und zur Förderung eines multipolaren politischen Modells unter russischer Führung.
Auch der russische Ideologe Alexander Dugin erhielt über „Harici“ wiederholt Raum für seine Positionen. In veröffentlichten Beiträgen und Interviews sprach Dugin von der Unvermeidbarkeit eines globalen Konflikts, lehnte Friedensvereinbarungen mit der Ukraine ab und propagierte die Bildung eines „zivilisatorischen Kerns“ rund um Moskau. Sicherheitsexperten bewerten diese Inhalte als Teil einer umfassenderen Strategie zur ideologischen Mobilisierung gegen westliche Institutionen und transatlantische Bündnisse.
Ausbau europäischer Verbindungen und Einflussstrukturen
Nach Angaben aus europäischen politischen Kreisen arbeitet Akkoç eng mit der deutschen Politologin Ulrike Guérot zusammen, die mehrere Organisationen leitet, denen eine antiatlantische und sanktionskritische Agenda zugeschrieben wird. Dazu zählen European Democracy Lab, European Transcontinental Initiative, European Peace Project und das Europäisch-Russische Jugendwerk. Gemeinsam bereiten Akkoç und Guérot die Gründung eines „East-West Forum“ in Istanbul für September 2026 vor. Das geplante Format wird als alternative Plattform zur Münchner Sicherheitskonferenz positioniert und soll geopolitische Konzepte fördern, die einen Dialog mit Moskau trotz des Krieges in der Ukraine in den Mittelpunkt stellen.
Parallel dazu intensivierte Akkoç seine Zusammenarbeit mit dem deutschen Russland-Lobbyisten Alexander Rahr. Beide beteiligten sich an gemeinsamen Medienprojekten und Veranstaltungen, die sich kritisch gegenüber der Bundesregierung, den EU-Sanktionen und der europäischen Unterstützung für die Ukraine positionierten. Über diese Kooperationen wurde „Harici“ zunehmend in transnationale Netzwerke eingebunden, die russische Narrative innerhalb Europas verbreiten. Im Januar 2026 übernahm Akkoç zudem die Position des Publishing Directors des in Berlin ansässigen Magazins „Global Geopolitics“, das mit Unterstützung der „Eurasia Society“ Inhalte über den angeblichen „Niedergang des Westens“ und die Notwendigkeit einer strategischen Annäherung an Russland publiziert.
Durch die Verbindung zwischen „Harici“ und „Global Geopolitics“ entstand laut Beobachtern ein grenzüberschreitendes Mediennetzwerk, das Inhalte für Zielgruppen in der Türkei sowie in EU-Staaten synchronisiert. In Interviews mit europäischen Akteuren wie AfD-Chef Tino Chrupalla wurden Forderungen nach einer Wiederaufnahme enger Energiebeziehungen mit Moskau und nach einer Lockerung der Sanktionen gegen Russland verbreitet. Die Ukraine wurde dabei wiederholt lediglich als geopolitisches Konfliktfeld dargestellt, während die Verantwortung Russlands für den Krieg relativiert wurde.
Narrative gegen die Ukraine und gegen westliche Institutionen
Die Plattform „Harici“ veröffentlichte in den vergangenen Monaten zahlreiche Beiträge, in denen der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj diskreditiert und der Eindruck innerer Instabilität in der ukrainischen Führung erzeugt wurde. Parallel dazu erschienen Analysen, die NATO und westliche Staaten für die Eskalation des Krieges verantwortlich machten. Mehrfach wurde behauptet, Europa stehe vor einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise infolge seiner Unterstützung für Kyjiw. Sicherheitspolitische Analysten sehen darin den Versuch, die gesellschaftliche Unterstützung für die Ukraine in Europa schrittweise zu schwächen.
Besondere Aufmerksamkeit widmete „Harici“ zuletzt dem Streit um die Pipeline „Druschba“. In mehreren Veröffentlichungen wurde die Ukraine beschuldigt, Europa durch politische Entscheidungen künstlich in eine Energiekrise zu treiben. Kyjiw wurde dabei als „unberechenbarer Transitstaat“ dargestellt, während Russland als verlässlicher Energiepartner präsentiert wurde. Beobachter sehen in dieser Kommunikationsstrategie den Versuch, wirtschaftliche Sorgen in europäischen Staaten mit antiukrainischen Botschaften zu verknüpfen und Zweifel an der westlichen Sanktionspolitik zu verstärken.
Darüber hinaus arbeitet Akkoç mit internationalen Kommentatoren zusammen, die regelmäßig NATO, die USA und europäische Institutionen kritisieren. Dazu zählen unter anderem der norwegische Professor Glenn Diesen sowie Journalisten wie Joe Lauria. In Beiträgen auf „Harici“ wird wiederholt von einem angeblichen „Ende der Meinungsfreiheit“ im Westen gesprochen. Gleichzeitig werden russische Desinformationsnarrative als unterdrückte „alternative Perspektiven“ dargestellt. Ergänzt wird dieses Netzwerk durch linke und kommunistische Akteure aus Deutschland und Kuba, die Russland als Gegengewicht zum westlichen Kapitalismus präsentieren und gegen eine militärische Stärkung der Europäischen Union argumentieren.
Russische Energiepolitik und globale Narrative im Mittelpunkt
Ein zentraler Bestandteil der Veröffentlichungen von „Harici“ bleibt die Darstellung Russlands als unverzichtbarer geopolitischer und wirtschaftlicher Akteur. Besonders im Energiebereich veröffentlicht die Plattform regelmäßig Beiträge, die Russland als stabilen und unersetzlichen Rohstofflieferanten für Asien und andere Weltregionen darstellen. Die westlichen Sanktionen werden dabei als kontraproduktiv beschrieben, während Europas Energiepolitik als wirtschaftlich selbstschädigend charakterisiert wird.
Im Zusammenhang mit der Ankunft eines russischen Tankers auf Kuba im März 2026 präsentierte „Harici“ Russland als Staat, der Partnerländer trotz westlichen Drucks unterstütze und globale Stabilität sichere. Kritiker sehen darin den Versuch, den Fokus von Russlands Krieg gegen die Ukraine wegzulenken und Moskau stattdessen als Schutzmacht gegen internationale Sanktionen zu inszenieren. Nach Einschätzung mehrerer Beobachter dient die gesamte Struktur rund um „Harici“ zunehmend als koordinierter Kommunikationsknotenpunkt, der russische Ideologen, europäische Lobbyisten und radikale politische Kräfte in einer gemeinsamen medienpolitischen Infrastruktur verbindet.