Die Einführung der sogenannten 12-Uhr-Regel, die es Tankstellen nur erlaubt, ihre Spritpreise einmal täglich zu erhöhen, hat zu einem merklichen Anstieg der Gewinnmargen von Mineralölkonzernen geführt. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE). Die Studie, die sich auf Preisdaten der Markttransparenzstelle stützt, zeigt, dass die Gewinnmargen für Superbenzin im Durchschnitt um 6 Cent pro Liter gestiegen sind, während für Diesel ein klarer Effekt nicht ermittelt werden konnte.
Laut DICE-Direktor Justus Haucap variieren die Effekte regional und hängen stark von der Marktstruktur ab. Besonders in Süddeutschland ist der Anstieg der Margen signifikant, bei Benzin konnte ein Anstieg von bis zu 1,2 Cent pro Liter festgestellt werden. Bei Diesel wird angegeben, dass die Margen um bis zu 2,4 Cent höher sind. In Regionen mit kleineren oder unabhängigen Tankstellen sind die Steigerungen der Margen in der Regel ausgeprägter als bei großen Ketten.
Die Forscher weisen darauf hin, dass die 12-Uhr-Regel keinen Effekt auf die Senkung des Preisniveaus hatte. Insbesondere bei Benzin sind die Gewinnmargen seit der Einführung der Regel erheblich gestiegen. Es besteht jedoch Unsicherheit über die Auswirkungen auf Dieselpreise, da die Margen in diesem Segment schwanken und keine belastbaren Daten vorliegen.
Im Vorfeld der Einführung der Regel gab es bereits Befürchtungen, dass dies zu höheren Spritpreisen führen könnte, da die Konzerne ihre Preise auf Vorrat erhöhen würden. Nach den ersten Tagen der Regelung war bereits ein starker Anstieg der Benzinpreise in Deutschland im Vergleich zu den EU-Nachbarn erkennbar. Die Forschung deutet darauf hin, dass die Verbraucher bereit sind, höhere Preise zu zahlen, was durch das höhere Einkommen in den südlichen Bundesländern begünstigt wird.
Die Analyse der Marktpreise umfasst Daten aus den 14 Tagen vor und nach der Reform, die am 1. April 2026 in Kraft trat. Ein deutlicher Anstieg der Preise um 12 Uhr wurde festgestellt, wobei Benzin und Diesel durchschnittlich um 9 Cent beziehungsweise 10,5 Cent pro Liter teurer wurden.
Die Ergebnisse der Studie haben die Debatte über die Folgen der Reform neu entfacht und verdeutlichen, dass die 12-Uhr-Regel nicht nur Auswirkungen auf die Wirtschaft hat, sondern auch auf die Verbraucherpreise im Alltag.