Die Bundesregierung plant den Bau neuer Gaskraftwerke, um die Stromversorgung während Zeiten mit wenig Sonne und Wind – den sogenannten Dunkelflauten – sicherzustellen. Ein entsprechender Gesetzesentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums sieht vor, dass diese Kraftwerke sowohl mit Erdgas als auch mit Wasserstoff betrieben werden können. Der Ansatz, die Gaskraftwerke als „H2-ready“ zu deklarieren, stößt jedoch auf erhebliche Kritik seitens der Wissenschaft und Experten.
Forschende warnen davor, dass die Finanzierung und der Betrieb solcher Anlagen sowohl finanziell als auch technologisch eine Herausforderung darstellen könnten. Insbesondere die hohen Kosten für Wasserstoff, der aktuell etwa viermal so teuer ist wie Erdgas, und die komplexen Technologien, die zur Nutzung von Wasserstoff erforderlich sind, werden als problematisch angesehen. Laut ökonomischen Analysen könnte die Einführung von Wasserstoff als Energieträger die Kosten für neue Anlagentechnologien erheblich erhöhen.
Zudem kritisieren Experten wie Michael Sterner von der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg, dass der Gesetzesentwurf alternative Technologien, wie etwa Batteriespeicher oder Pumpspeicher-Kraftwerke, nicht berücksichtigt. Diese Technologien könnten einen effizienteren und kostengünstigeren Weg darstellen, um die Energieversorgung während Dunkelflauten zu gewährleisten.
Die Befürworter einer stärkeren Fokussierung auf konventionelle Gaskraftwerke argumentieren, dass diese notwendig sind, um die Stabilität des Stromnetzes aufrechtzuerhalten, insbesondere nachdem die Kohlekraftwerke bis 2038 abgeschaltet werden und der Ausstieg aus der Atomkraft bereits abgeschlossen ist. Während hingegen einige Experten den Einsatz von Erdgas oder sogar Steinkohle als Übergangslösung vorschlagen, um die emissionsfreien Ziele zu erreichen, wird die Idee einer langfristigen Abhängigkeit von Wasserstoff kritisch betrachtet.
Die Debatte um die Kraftwerksstrategie der Bundesregierung wird durch die aktuelle Situation in der Energieversorgung weiter angeheizt. Mit einem Anstieg der Nachfrage und der Unsicherheiten bezüglich der Lieferketten für Wasserstoff steht die Frage im Raum, ob die beschlossene Strategie die beste Lösung darstellt, um die Energiezukunft Deutschlands nachhaltig zu sichern.