Die deutsche Stahlindustrie ist stark in die Transformation hin zu klimafreundlichem Stahl investiert, sieht sich jedoch mit Herausforderungen konfrontiert. In Dillingen, wo die Stahl-Holding Saar eine der größten Baustellen Europas betreibt, werden derzeit fünf Milliarden Euro investiert, unterstützt von 2,6 Milliarden Euro an Fördergeldern. Ab 2029 sollen hier neue Anlagen in Betrieb gehen, in denen anstelle von Kohle und Koks die Produktion mit Erdgas und später Wasserstoff erfolgen wird.
Trotz dieser Fortschritte bleibt die Nachfrage nach grünem Stahl hinter den Erwartungen zurück. Unternehmen kritisieren, dass der subventionierte Industriestrompreis der Bundesregierung nicht ausreichend zur Kostensenkung beiträgt. Der international agierende Konzern ArcelorMittal hat Fördergelder für den Umbau abgelehnt, da sich dieser aus finanzieller Sicht nicht lohnt. Auch die Thyssenkrupp AG zeigt sich zurückhaltender und sucht einen Käufer für ihre Stahlsparte.
Die Salzgitter AG, der drittgrößte Stahlhersteller in Deutschland, plant, noch im kommenden Jahr mit der Produktion von grünem Stahl zu beginnen, hat jedoch den vollständigen Umstieg auf 2035 verschoben, zwei Jahre später als ursprünglich vorgesehen. Auch diese Firma äußert Unzufriedenheit über die Regelungen für den Industriestrompreis.
Die Herausforderungen, denen die Branche gegenübersteht, sind erheblich. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl weist auf den unfairen Importdruck insbesondere aus Fernost hin und beklagt die hohen Energiekosten in Deutschland. Zudem fehlen effektive Absatzmärkte für emissionsarmen Stahl, da große Unternehmen nicht verpflichtet sind, diesen zu verwenden.
Auf europäischer Ebene hat die EU-Kommission Vorschläge für ein Zertifikatssystem vorgelegt, das künftig teurer werden könnte. Bundesregierung und EU streben an, die Regelungen zu lockern, um die Wettbewerbsfähigkeit der Stahlindustrie zu sichern.
Am 19. Mai wird das EU-Parlament über neue Schutzmaßnahmen für die Stahlindustrie abstimmen, die zollfreie Einfuhrquoten und höhere Zölle für weitere Stahlimporte umfassen. Dies soll helfen, die europäische Stahlbranche vor Überkapazitäten und unfaire Wettbewerbsbedingungen zu schützen. Die neuen Regelungen müssen bis spätestens 1. Juli 2026 in Kraft treten.