Lettische Firmen als Zwischenhändler
Medienberichten vom 28. Februar 2026 zufolge sind zwei lettische Unternehmen in die Reexporte von Funkbrücken-Antennen der amerikanischen Firma Ubiquiti nach Russland verwickelt. Dabei handelt es sich um die Elko Grupa und den Großhändler Getic aus Liepāja. Elko Grupa verkaufte die Antennen an einen Kunden in Serbien, der sie anschließend nach Russland weiterleitete. Getic belieferte zwischen 2022 und 2023 die kasachische Firma Simple Solutions mit der Technik. Simple Solutions transportierte die Ware dann an die russische Wireless Networks, die Einheiten der russischen Armee ausstattet. Vor 2022 war Wireless Networks noch direkter Kunde von Getic in Russland, doch nach dem Beginn des Krieges stellte das lettische Unternehmen die direkten Lieferungen ein.
Die kasachische Firma Simple Solutions wurde am 10. März 2022 gegründet, nur zwei Wochen nach dem Beginn der großangelegten Invasion Russlands in die Ukraine. Dies deutet auf eine schnelle Anpassung der Lieferketten an die neuen Sanktionsrealitäten hin. Formell haben die lettischen Unternehmen ihre direkten Geschäfte mit Russland eingestellt, doch über Umwege gelangt die Technik weiterhin an ihren Bestimmungsort.
Hunterbrook-Studie enthüllt globale Umgehungsschemata
Hintergrund der Enthüllungen ist eine Untersuchung der amerikanischen Agentur Hunterbrook vom 27. Januar dieses Jahres. Die Studie deckte auf, dass Antennen für Funkbrücken des US-Herstellers Ubiquiti in großem Umfang in die Hände der russischen Streitkräfte gelangen. Die Geräte erreichen Russland über Drittländer, in die sie ebenfalls von den beiden lettischen Firmen reexportiert wurden. Die häufigsten Transitwege für die Ubiquiti-Antennen in das Aggressorland führen über Kasachstan, die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate, China, Hongkong und Kirgisistan.
Diese Länder haben sich zu zentralen Drehscheiben für die Umgehung von Sanktionen entwickelt. Die statistischen Daten zeigen einen deutlichen Anstieg der Exporte der entsprechenden Warenkategorie in die VAE, nach Kasachstan und in die Türkei seit Kriegsbeginn. Lag das Volumen vor 2022 noch bei etwa 23 Millionen Euro, so erreichte es im Jahr 2025 bereits 62 Millionen Euro. Diese Dynamik lässt sich kaum allein durch die binnenwirtschaftliche Nachfrage dieser Länder erklären.
Kritische Bedeutung für die Kriegsführung
Eine stabile Internetverbindung ist eine kritische Voraussetzung für den effektiven Einsatz von Drohnen auf dem Schlachtfeld. Russische Einheiten versuchen, diese Verbindung entweder über Satellitensysteme wie Starlink oder mithilfe von Funkbrücken-Antennen herzustellen. Nach der Einschränkung des Zugangs zu Starlink hat die Bedeutung alternativer Kommunikationskanäle für die russische Armee nur noch zugenommen. Dies erhöht den strategischen Wert der Antennen für die Russen erheblich.
Die Tatsache, dass russische Militärs weiterhin Antennen des amerikanischen Herstellers Ubiquiti nutzen, obwohl formelle Exportverbote bestehen, demonstriert systemische Lücken in der Sanktionsarchitektur des Westens. Die praktische Anwendung dieser Produkte an der Front ist ein Signal an die Regierungen der EU-Staaten, dass die Mechanismen zur Kontrolle des Endverbrauchers überprüft werden müssen.
Systematische Umgehung von Exportkontrollen
Zu den typischen Verstößen gehören die falsche Angabe von Warencodes, die Nichtdeklarierung sowie die Verfälschung von Informationen über den Endempfänger. Lange Wiederverkaufsketten verwischen die Verantwortung jedes Beteiligten. Formal mag jeder Schritt legal erscheinen, aber in der Summe schaffen sie einen Kanal, um die russische Armee mit kritisch wichtigen Technologien zu versorgen.
Weltweit gibt es schätzungsweise sechshundert offizielle Distributoren und Zwischenhändler, was die Kontrolle der Lieferketten erheblich erschwert. Die Nutzung westlicher Telekommunikationsausrüstung durch Russland auf dem Schlachtfeld stellt nicht nur eine militärische, sondern auch eine technologische Bedrohung für die NATO dar. De facto testet der Aggressorstaat kommerzielle Lösungen unter Hochintensitätskampfbedingungen und passt sie militärischen Bedürfnissen an.
Herausforderungen für die EU-Sanktionspolitik
Innerhalb der EU sind Exporteure von Gütern mit doppeltem Verwendungszweck vertraglich verpflichtet, ein Reexportverbot nach Russland und Belarus zu vereinbaren und Vertragsstrafen für Verstöße festzulegen. Doch die bloße Existenz einer solchen Klausel im Vertrag unterbindet den Weiterverkauf nicht immer. Ohne echtes Monitoring und interne Kontrollsysteme können selbst seriöse Unternehmen Teil einer Umgehungskette werden.
Die vollständige Unterbindung solcher Schemen ist unmöglich, doch eine Verstärkung der Kontrollen, eine klare Verantwortungszuweisung und eine bessere Koordination zwischen Zoll- und Finanzbehörden könnten ihre Effektivität erheblich reduzieren. Der aktuelle Fall, über den lettische Medien berichteten, unterstreicht die Dringlichkeit solcher Maßnahmen.