Wie Provisionen das Vermögen der Deutschen erheblich schmälern

Wie Provisionen das Vermögen der Deutschen erheblich schmälern

April 6, 2026
1 min. lesezeit

Rund 80 Prozent der deutschen Kleinanleger suchen bei Anlageentscheidungen die Unterstützung von Finanzberatern, sei es bei Banken, Versicherern oder Finanzmaklern. Dies zeigt eine Studie von Andreas Hackethal von der Goethe-Universität Frankfurt. Viele Anleger sind unsicher und empfinden einen Mangel an Vergleichsmöglichkeiten, weshalb sie ihre Entscheidungen vertrauensvoll abgeben. Diese Praxis hat jedoch erhebliche finanzielle Konsequenzen, wie eine Untersuchung von Steffen Sebastian von der Universität Regensburg zeigt: Provisionen kosten deutsche Kleinanleger jährlich bis zu 98 Milliarden Euro.

Das Problem der Kosten wird oft in der Werbung nicht deutlich kommuniziert. Werbung betont die Nähe und Erreichbarkeit von Beratern, während die tatsächlichen Gebühren in den Hintergrund gedrängt werden. Für viele Anleger bleibt unklar, ob die Qualität der Beratungsleistung den Preis rechtfertigt. Der GfK-Studie zufolge, in der das Vertrauen der Deutschen in die Finanzbranche nach der Finanzkrise 2008 untersucht wurde, ist das Vertrauen in eigene Berater trotz allgemeiner Skepsis hoch.

Berater erhalten oft Provisionen aus den Produkten, die sie verkaufen, was zu einem Interessenkonflikt führen kann. Dadurch könnte das Angebot an Produkten verzerrt sein, da Berater in der Regel nur die Produkte ihres Arbeitgebers empfehlen. Diese Struktur führt nicht selten dazu, dass Anleger nur 85 bis 90 Prozent ihres ursprünglichen Kapitals aus der Rentenversicherung zurückerhalten, der Rest fließt in Gebühren und Provisionen.

Die EU-Kommission versuchte 2023, Provisionen EU-weit zu verbieten, jedoch konnte kein konsensualer Beschluss gefasst werden. In anderen Ländern, wie Großbritannien und den Niederlanden, verhindert die Honorarberatung, dass Berater durch Provisionen motiviert sind, bestimmte Produkte zu empfehlen. Dort führt dies zu einem höheren Vermögenswachstum für die Haushalte. Trotz der klaren Beweise für inequitable Kostenstrukturen scheint es, dass sich in Deutschland an dieser Praxis wenig ändern wird.

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