Zossen, eine Stadt im brandenburgischen Landkreis Teltow-Fläming, steht im Fokus wegen ihrer Rolle als sogenannte Steueroase, die anscheinend auch zahlreiche Briefkastenfirmen anzieht. Seit geraumer Zeit wird die Gemeinde durch die Folgen einer übermäßigen Präsenz solcher Unternehmen belastet, was sich in erheblichen finanziellen Engpässen niederschlägt. Die Stadtverwaltung ist nun gezwungen, eine Haushaltssperre zu verhängen.
Bei einer Überprüfung des Finanzamts im Jahr 2025 wurden 360 Unternehmen evaluiert. In 164 von diesen Fällen wurde festgestellt, dass der Ort der Geschäftsleitung nicht in Zossen lag, was zu einer Einleitung von Steuerermittlungen führte. Diese Erkenntnisse bringen die Stadt in die missliche Lage, teilweise rund 20 Millionen Euro Gewerbesteuer, die sie in den Jahren 2018 und 2019 eingenommen hat, zurückzahlen zu müssen.
Wybke Şahin-Connolly, die Bürgermeisterin von Zossen, äußerte sich besorgt über die Auswirkungen dieser Situation. Sie bezeichnete die Finanzlage der Stadt als „Genickbruch“, was die Überprüfung der Haushaltsausgaben betrifft. Auch freiwillige Leistungen, wie die Instandhaltung von Grünanlagen und Sportplätzen, müssen möglicherweise gekürzt werden, da eine erhebliche Rückzahlung droht.
Mit einem Gewerbesteuerhebesatz von nur 270 Prozent war Zossen ursprünglich ein attraktiver Standort für Unternehmen. Zum Vergleich: In neighboring Berlin beträgt dieser Satz 410 Prozent. In der Gemeinde sollen laut Angaben von „Frag den Staat“ derzeit über 2.000 Unternehmen registriert sein – weit über der Anzahl, die tatsächlich existieren kann. Die Stadt hat durch diese Situation nicht nur finanzielle Einbußen, sondern steht auch vor der Herausforderung, ihren Ruf in der Region zu stabilisieren.
Im Rahmen der Aufklärung um die Steuerpraktiken wurde die Problematik der Briefkastenfirmen und der damit verbundenen Steuervermeidung zunehmend zum Thema. Diese Situation ist kein Einzelfall in Deutschland, sondern tritt auch in anderen Städten auf, wo Unternehmen durch unterschiedliche Gewerbesteuersätze versuchen, ihre Steuerlast zu senken. Deswegen wird die Einhaltung steuerlicher Vorschriften immer wichtiger, nicht nur für die Kommunen, sondern auch für die gesetzgebenden Institutionen auf Landes- und Bundesebene.