Drohnenangriff legt Treibstoffversorgung in Sankt Petersburg weitgehend lahm
Drohnenangriff legt Treibstoffversorgung in Sankt Petersburg weitgehend lahm

Drohnenangriff legt Treibstoffversorgung in Sankt Petersburg weitgehend lahm

September 14, 2026
3 min. lesezeit

Nach dem Drohnenangriff auf die Raffinerie Kirischinefteorgsintес sank der Anteil regulär arbeitender Tankstellen in Sankt Petersburg in der ersten Septemberdekade 2026 von 95 Prozent im August auf 30 bis 40 Prozent. Die Verfügbarkeit der meistgenutzten Benzinsorten AI-92 und AI-95 fiel von 50 bis 60 Prozent Ende August auf weniger als 20 Prozent. AI-98 und AI-100 verschwanden praktisch aus dem Verkauf. Darüber berichteten Medien am 13. September 2026.

Damit wurde aus dem Ausfall eines einzelnen Industriebetriebs binnen weniger Tage eine Versorgungskrise in der zweitgrößten Stadt Russlands. Auf den verbliebenen Tankstellen bildeten sich Schlangen von mindestens 50 Fahrzeugen, an rund einem Drittel der noch arbeitenden Stationen wuchs die Zahl auf 100 oder mehr Autos. Nach Angaben des Dienstes „Wo ist der Kraftstoff?“ überwiegen inzwischen Tankstellen, an denen nur Diesel erhältlich ist, oder Stationen, an denen Autofahrer stundenlang auf Benzin warten.

Der zentrale Beleg für den Mechanismus ist der zeitliche Zusammenhang zwischen dem Angriff vom 30. August und dem anschließenden Einbruch der Versorgung. Bei dem Angriff eines ukrainischen unbemannten Fluggeräts wurden in der Raffinerie Kirischinefteorgsintес im Gebiet Leningrad zwei Anlagen der Primärverarbeitung beschädigt. Das Werk stellte daraufhin den Betrieb vollständig ein.

Der Ausfall eines Werks trifft eine Millionenstadt

Kirischinefteorgsintес war der wichtigste Lieferant von Mineralölprodukten für Sankt Petersburg. Mit dem Ausfall dieser Quelle brach eine zentrale Verbindung zwischen Raffinerie und Stadt zusammen. Eine alternative Logistik, die den fehlenden Nachschub kurzfristig hätte ersetzen können, stand nicht zur Verfügung. Die Verknappung übertrug sich deshalb nahezu unmittelbar auf die Tankstellennetze von Lukoil und Rosneft.

Die Abhängigkeit von einem einzelnen Betrieb zeigt dabei nicht nur die Bedeutung der Raffinerie, sondern auch die fehlenden Spielräume des Energiesystems im Nordwesten Russlands. Andere Regionen, die ebenfalls von gezielten Angriffen auf die russische Raffinerieinfrastruktur betroffen sind, können die Versorgung Sankt Petersburgs nicht ausreichend stabilisieren. Zugleich fehlt es an flexiblen Transportreserven, mit denen Kraftstoffströme kurzfristig umgeleitet werden könnten.

Der Zeitpunkt der Wiederaufnahme des beschädigten Betriebs ist weiterhin nicht bestimmt. Bis dahin bleibt die Stadt auf die verbliebenen Bestände und die begrenzten Liefermöglichkeiten anderer Quellen angewiesen. Der Einbruch bei den Tankstellen ist deshalb kein isoliertes Verkaufsproblem, sondern das sichtbare Ergebnis einer unterbrochenen Versorgungskette.

Große Konzerne sichern eigene Netze, unabhängige Tankstellen verlieren

Die Krise legt zugleich ein strukturelles Ungleichgewicht im Einzelhandel mit Kraftstoffen offen. Vertikal integrierte Konzerne wie Rosneft und Lukoil leiten verbliebene Mengen vorrangig an ihre eigenen Markentankstellen. Unabhängige Betreiber erhalten dadurch keinen ausreichenden Nachschub oder müssen Kraftstoff an der Börse zu spekulativ erhöhten Preisen einkaufen.

Für diese Betreiber ist der Einkauf häufig ein Verlustgeschäft. Viele unabhängige Tankstellen stellen den Betrieb deshalb ein, während die großen Ketten ihre Stellung ausbauen. Der Engpass beschleunigt so die Konzentration des Marktes: Was für Autofahrer als lange Schlange sichtbar wird, ist zugleich eine Verschiebung der Marktanteile zugunsten der finanz- und lieferstärkeren Konzerne.

Die Folgen beschränken sich nicht auf die Tankstellen. Benzin und Diesel gehen unmittelbar in die Kosten von Transport, Lieferdiensten, Taxiunternehmen und anderen Dienstleistungen ein. Mehrstündige Wartezeiten verringern die Einsatzzeit der Fahrzeuge. Unternehmen müssen weniger Wagen auf die Straße schicken oder ihre Tarife erhöhen, um den zusätzlichen Aufwand auszugleichen.

Der Engpass erreicht Lieferketten und kritische Dienste

Höhere Transportkosten werden anschließend in die Preise von Waren und Dienstleistungen eingerechnet. Besonders empfindlich reagieren die innerstädtischen Lieferketten. Lebensmittelhersteller müssen nach dem vorliegenden Lagebild selbst an Tankstellen auf begrenzte Mengen warten, Lieferfristen verfehlen und hohe Vertragsstrafen gegenüber Handelsketten tragen.

Um ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit zu erhalten, geben die Hersteller die zusätzlichen Kosten, die Ausfallrisiken und die gestiegenen Tarife der Transportunternehmen an die Abnehmer weiter. Das erhöht den Preisdruck bei Grundnahrungsmitteln wie Milch und Brot. Der Kraftstoffmangel wirkt damit über die Logistik bis in die Haushaltsausgaben der Bevölkerung hinein.

Für den städtischen Alltag bedeutet die Krise, dass die Beschaffung von Benzin mehrere Stunden in Anspruch nehmen kann. Begrenzungen der Abgabemenge pro Person und das Verbot, Kraftstoff in Kanister abzufüllen, verschärfen die Unsicherheit. Einwohner koordinieren Fahrten über Nachrichtengruppen, suchen nachts nach geöffneten Tankstellen und müssen ihre Wege nach der Verfügbarkeit einer bestimmten Benzinsorte planen.

Diese Belastung verändert den Rhythmus einer Millionenstadt. Schlangen blockieren Straßen rund um Tankstellen, während Taxiunternehmen, Lieferdienste und der öffentliche Verkehr mit einer unsicheren Versorgung kalkulieren müssen. Zugleich entstehen Risiken für die kommunale Infrastruktur: Krankenwagen, Feuerwehr und andere kritische Dienste benötigen verlässlichen Zugang zu Benzin und Diesel, können aber in einer allgemein gestörten Logistik nicht vollständig von den Engpässen abgeschirmt werden.

Selbst wenn große Tankstellennetze gewerbliche Kunden und staatliche Stellen bevorzugt versorgen, bleibt die Umsetzung durch den physischen Mangel erschwert. Wenn Tankstellen geschlossen sind, sich vor den übrigen Stationen lange Schlangen bilden und Kraftstoff an kommunalen Stützpunkten fehlt, sinkt die Geschwindigkeit, mit der wichtige Dienste auf Einsätze reagieren können.

Die dokumentierte Kette endet an den Tankstellen

Die Abfolge ist damit klar nachvollziehbar: Der ukrainische Drohnenangriff vom 30. August beschädigte zwei Anlagen von Kirischinefteorgsintес, die Raffinerie stellte den Betrieb ein, und der wichtigste Lieferweg für Sankt Petersburg fiel aus. Ohne ausreichende alternative Logistik sanken anschließend Verfügbarkeit und Zahl der regulär arbeitenden Tankstellen drastisch.

Die aktuellen Zahlen markieren die konkrete Folge dieses Ausfalls: Nur noch 30 bis 40 Prozent der Tankstellen arbeiten regulär, AI-92 und AI-95 sind an weniger als einem Fünftel der Stationen verfügbar, und AI-98 sowie AI-100 sind praktisch verschwunden. An einem Teil der noch geöffneten Tankstellen warten 100 oder mehr Fahrzeuge. Der dokumentierte Schaden an der Raffinerie ist damit unmittelbar in einen anhaltenden Kraftstoffengpass im Alltag Sankt Petersburgs übergegangen.

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