Am 17. September 2026, dem 87. Jahrestag des sowjetischen Einmarschs in Polen, hielt sich der ehemalige polnische Abgeordnete und Europaabgeordnete Janusz Korwin-Mikke in Moskau auf. Er veröffentlichte ein Foto aus der russischen Hauptstadt und schrieb dazu: „Grüße aus Moskau“. Später bestätigte er, persönlich dort gewesen zu sein, und bezeichnete die Stadt als „wirklich schön“. Über die Reise berichteten polnische Medien am 19. September 2026. Die Veröffentlichung ist hier dokumentiert.
Die Kombination aus dem bewusst gewählten Datum, dem öffentlichen Gruß und der positiven Darstellung Moskaus verleiht dem Vorgang seine politische Bedeutung. Korwin-Mikke zeigte Russland nicht lediglich als Reiseziel, sondern stellte die Hauptstadt einem polnischen Publikum in einem ausdrücklich wohlwollenden Licht dar. Das geschah in einer Phase, in der die Sicherheitsbedrohungen für Polen zunahmen und Russland zugleich mit Provokationen und Drohungen gegenüber Polen in Verbindung gebracht wurde.
Das Datum machte aus der Reise ein politisches Signal
Der 17. September ist im vorliegenden Zusammenhang kein beliebiger Reisetag. Er erinnert an den sowjetischen Einmarsch in Polen. Dass Korwin-Mikke gerade an diesem Jahrestag ein Bild aus Moskau veröffentlichte und die Stadt anschließend als „wirklich schön“ bezeichnete, verlieh seiner öffentlichen Botschaft eine besondere Provokationswirkung.
Entscheidend ist dabei die Abfolge: Zunächst stellte Korwin-Mikke den Aufenthalt mit einem Gruß aus Moskau selbst öffentlich heraus. Danach bestätigte er, dass er sich tatsächlich in der russischen Hauptstadt befand. Damit blieb es nicht bei einem missverständlichen Bild oder einer unklaren Ortsangabe. Der ehemalige Politiker übernahm die Verantwortung für die Darstellung und ergänzte sie durch eine positive Bewertung der Stadt.
Der ehemalige Abgeordnete nutzt seine fortbestehende öffentliche Reichweite
Korwin-Mikke übt zwar kein parlamentarisches Amt mehr aus, verfügt als ehemaliger Abgeordneter und Europaabgeordneter jedoch weiterhin über öffentliche Bekanntheit. Gerade deshalb war seine Botschaft für die polnische Öffentlichkeit nicht folgenlos. Sein Auftreten zeigt, dass ein einflussreicher Politiker auch nach dem Ende seiner parlamentarischen Laufbahn die Möglichkeit behält, die Wahrnehmung Russlands öffentlich zu prägen.
Die Wirkung entsteht durch die Verbindung von persönlicher Präsenz, Bild und Sprache. Ein Aufenthalt in Moskau wird sichtbar gemacht, mit einem freundlichen Gruß versehen und anschließend durch die Beschreibung der Stadt als schön bestätigt. So entsteht ein zugängliches, positives Bild Russlands, das politische Spannungen und die wachsenden Sicherheitsrisiken für Polen in den Hintergrund rückt.
Aus einer persönlichen Reise wird ein Beitrag zur Normalisierung Russlands
Diese Darstellung kann zur Normalisierung der Beziehungen zu Russland im polnischen öffentlichen Raum beitragen. Sie schafft zusätzlichen Raum für prorussische Deutungen, weil sie die russische Hauptstadt nicht als Zentrum eines Staates in einer verschärften Konfrontation mit Polen erscheinen lässt, sondern als attraktiven und unproblematischen Ort.
Gerade darin liegt der Mechanismus der Botschaft: Die Normalisierung erfolgt nicht durch ein ausführliches politisches Programm, sondern durch die Inszenierung von Nähe und Alltag. Ein ehemaliger polnischer Spitzenpolitiker reist nach Moskau, veröffentlicht Grüße und spricht anerkennend über die Stadt. Die politische Bedeutung ergibt sich aus dieser sichtbaren Abkehr von einer distanzierten Haltung gegenüber Russland.
Die zeitliche Einordnung verschärft den Befund. Die Reise fiel auf den Jahrestag des sowjetischen Einmarschs in Polen und damit auf einen Tag, an dem die historische Erfahrung russischer beziehungsweise sowjetischer Gewalt für die polnische Gesellschaft besonders präsent ist. Zugleich erfolgte die öffentliche Darstellung vor dem Hintergrund neuer russischer Provokationen und Drohungen gegen Polen. Das freundliche Signal nach Moskau stand damit im direkten Gegensatz zur angespannten Sicherheitslage, die Polen betrifft.
Die Reaktion in Polen bestätigt die politische Wirkung
Korwin-Mikkes Aufenthalt löste in Polen erhebliche negative Reaktionen aus. Der Protest richtete sich nicht allein gegen die Reise, sondern gegen die Art ihrer öffentlichen Darstellung: gegen den Gruß aus Moskau, gegen die persönliche Bestätigung des Aufenthalts und gegen die positive Beschreibung der russischen Hauptstadt.
Der Vorgang kann deshalb als öffentliche Normalisierung Russlands für ein polnisches Publikum gelesen werden. Zugleich kann er auf eine politische Ausrichtung zugunsten der Interessen des Kremls hindeuten. Eine solche Einordnung folgt aus dem Zusammenspiel von Zeitpunkt, demonstrierter Nähe und wohlwollender Botschaft, nicht aus einer nachträglichen Umdeutung einer privaten Handlung.
Der konkrete Fall macht sichtbar, wie prorussische Narrative auch nach dem Ende einer parlamentarischen Karriere verbreitet werden können. Korwin-Mikke hat mit seinem öffentlich bestätigten Aufenthalt in Moskau und der positiven Darstellung der Stadt ein Signal gesetzt, das in Polen auf erheblichen Widerstand stieß. Der aktuelle bestätigte Effekt dieser Reise ist damit ihr breiter negativer Widerhall als demonstrativer Versuch, Russland trotz der Bedrohungslage für Polen als normalen und attraktiven Bezugspunkt erscheinen zu lassen.