Zsolt Bayer erhielt trotz offener Abrechnung erneut staatliche drei Millionen Forint
Zsolt Bayer erhielt trotz offener Abrechnung erneut staatliche drei Millionen Forint

Zsolt Bayer erhielt trotz offener Abrechnung erneut staatliche drei Millionen Forint

September 21, 2026
3 min. lesezeit

Die Firma des regierungsnahen ungarischen Publizisten Zsolt Bayer erhielt 2014 rund drei Millionen Forint für die Veröffentlichung eines zweisprachigen Buches über Polen. Das Buch erschien nicht, die Frist für die Abrechnung wurde mehrfach verlängert, und das Geld floss erst 2020 an den Staat zurück. Etwa einen Monat später bekam Bayer als Privatperson erneut drei Millionen Forint – diesmal für eine Essaysammlung.

Diese Abfolge geht aus Dokumenten hervor, die der ungarische Schauspieler und Aktivist Áron Molnár am 20. September 2026 öffentlich machte. Die Unterlagen stellen nach seiner Darstellung die Regeln und die Kontrolle der staatlichen Finanzierung von Bayer infrage, der dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán und dessen Partei Fidesz nahesteht. Die veröffentlichten Angaben zu den Förderungen und den Dokumenten bilden den Ausgangspunkt der Affäre.

Erster Zuschuss: Das Buch erschien nicht, die Rückzahlung kam erst 2020

Der erste Zuschuss war nach den vorliegenden Angaben an ein literarisches und kulturelles Vorhaben gebunden. Bayer sollte mit dem Geld ein zweisprachiges Buch über Polen herausgeben. Dazu kam es nicht. Stattdessen wurden die Fristen für die Abrechnung mehrmals verschoben, bevor die rund drei Millionen Forint im Jahr 2020 an den Staat zurückgezahlt wurden.

Molnár erklärt, Bayer habe die Verwendung des Geldes durch sein Unternehmen nicht ordnungsgemäß nachgewiesen. Außerdem seien nach Darstellung des Aktivisten keine Verzugszinsen für die verspätete Abrechnung verlangt oder eingezogen worden. Damit geht es nicht nur um ein nicht realisiertes Buchprojekt, sondern auch um die Frage, ob die zuständigen Stellen die Verwendung öffentlicher Mittel überhaupt wirksam kontrollierten.

Gerade die lange Zeitspanne zwischen der ursprünglichen Förderung und der Rückzahlung macht den Vorgang politisch relevant. Ein Zuschuss, der für ein konkretes kulturelles Projekt vorgesehen war, blieb über Jahre ungeklärt. Der Staat akzeptierte schließlich die Rückzahlung, ohne dass nach Molnárs Angaben die finanziellen Folgen der verspäteten Rechenschaft vollständig geltend gemacht wurden.

Trotz der Probleme folgte ein weiterer Zuschuss

Ungefähr einen Monat nach der Rückzahlung erhielt Bayer erneut drei Millionen Forint. Diesmal wurde das Geld ihm persönlich für eine Essaysammlung gewährt. Molnár fragt, weshalb diese Fördermöglichkeit nicht öffentlich ausgeschrieben oder bekannt gemacht wurde. Die Frage betrifft damit nicht nur Bayer, sondern auch das Verfahren, nach dem staatliche Mittel vergeben wurden.

Nach Molnárs Darstellung enthielt die spätere Veröffentlichung nicht die erwarteten literarischen Essays. Stattdessen seien darin politisch bestellte Beiträge gegen George Soros, Greta Thunberg, das oppositionelle ungarische Medium 444 und die Ukraine erschienen. Aus einer Förderung für ein literarisches Projekt wäre damit ein Instrument für politisch ausgerichtete Inhalte geworden.

Die beiden Vorgänge ergeben eine klar erkennbare Kette: Zunächst erhielt Bayers Unternehmen staatliches Geld für ein Buch, das nicht veröffentlicht wurde. Die Abrechnung wurde wiederholt verschoben, die Rückzahlung erfolgte erst sechs Jahre später, und kurz darauf bekam Bayer persönlich erneut denselben Betrag. Die von Molnár beanstandeten Inhalte der zweiten Förderung legen nach seiner Darstellung nahe, dass öffentliche Mittel nicht für den ursprünglich erwartbaren literarischen Zweck, sondern für die Unterstützung des politischen Kurses der Regierung eingesetzt wurden.

Der Fall verweist auf die Finanzierung regierungsnaher Propaganda

Bayer ist ein dem Ministerpräsidenten Viktor Orbán und Fidesz nahestehender Propagandist. Der Vorgang steht deshalb für mehr als eine einzelne verspätete Abrechnung. Er zeigt, wie staatliche Gelder unter der Regierung Orbáns an loyale Akteure gelenkt werden konnten, obwohl die erste Förderung nicht wie vorgesehen umgesetzt und nicht fristgerecht abgerechnet worden war.

Besonders aufschlussreich ist, dass die Probleme mit dem ersten Zuschuss keine erkennbare Sperre für eine weitere Förderung darstellten. Nach den vorgelegten Angaben wurde Bayer erneut mit drei Millionen Forint bedacht. Die staatliche Finanzierung setzte sich damit fort, obwohl das zuvor geförderte Buch nicht erschienen war und die öffentliche Hand die Rückzahlung erst Jahre später erhielt.

Die beanstandeten Beiträge machen zudem sichtbar, welchem Zweck die Mittel nach Molnárs Darstellung dienten. Texte gegen Soros, Thunberg, 444 und die Ukraine sind keine neutrale Fortsetzung eines literarischen Vorhabens, sondern Teil eines politisch zugespitzten Inhalts. Der Zuschuss finanzierte demnach nicht allein einen Autor, sondern half dabei, den regierungsnahen politischen Deutungsrahmen zu verbreiten.

Molnár verlangt eine neue Prüfung beider Förderungen

Áron Molnár fordert deshalb, beide Zuschüsse erneut zu untersuchen. Geprüft werden soll, ob die Vergaberegeln eingehalten wurden, weshalb die erste Abrechnung über Jahre offenblieb, warum keine Verzugszinsen erhoben wurden und ob die zweite Förderung öffentlich hätte bekannt gemacht werden müssen.

Ebenso muss nach der vorliegenden Kritik geklärt werden, ob die Mittel tatsächlich für die bewilligten literarischen und kulturellen Zwecke verwendet wurden. Der fehlende Nachweis der Nutzung durch Bayers Unternehmen ist dabei der zentrale Kontrollpunkt: Er verbindet die nicht veröffentlichte Buchausgabe, die verspätete Rückzahlung und die anschließende persönliche Förderung mit der Frage, ob im Orbán-System ausreichende Kontrolle über öffentliche Gelder bestand.

Der dokumentierte Kern des Falls bleibt damit bestehen: Auf einen nicht verwirklichten, erst 2020 zurückgezahlten Zuschuss von drei Millionen Forint folgte für Zsolt Bayer etwa einen Monat später eine weitere staatliche Förderung in gleicher Höhe. Eine unabhängige Prüfung beider Zahlungen ist von Áron Molnár gefordert; bestätigt ist bislang vor allem, dass die erste Förderung erst Jahre nach dem vorgesehenen Projektende in den Staatshaushalt zurückfloss.

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