Am 19. September 2026 veranstaltete die Partei Les Patriotes des französischen Politikers Florian Philippot in Arras eine Kundgebung gegen die Sanktionen gegen Russland und gegen die Unterstützung der Ukraine. Nach dem Bericht von Franceinfo über die Kundgebung in Arras erklärten Teilnehmer, der Druck auf Russland sei „übermäßig“. Zugleich forderten sie eine Wiederaufnahme der Beziehungen zum Kreml und ein Ende der französischen Unterstützung für die Ukraine.
Der Auftritt war kein isolierter Protest gegen eine einzelne Regierungsentscheidung. Er bündelte zentrale Forderungen der prorussischen politischen Rhetorik in Frankreich: Sanktionen sollen aufgehoben, die Unterstützung für die Ukraine beendet und die Konfrontation mit Russland beendet werden. Damit wurde der Krieg Russlands gegen die Ukraine aus dem Zusammenhang der russischen Aggression herausgelöst und als angeblich überzogene Politik Frankreichs dargestellt.
Sechs frühere Mitwirkende des russischen Staatssenders traten auf
Die Zusammensetzung der eingeladenen Gäste zeigt, wie die Kundgebung diese Botschaften verbreitete. Unter den Teilnehmern waren sechs frühere Autoren oder regelmäßige Gäste des Senders Russia Today, darunter Alexis Poulin, Caroline Galactéros und Régis Le Sommier. Sie sind durch prorussische Rhetorik sowie durch Forderungen nach einer umfassenden Zusammenarbeit mit Russland, der Aufhebung der Sanktionen und einem Ende der militärischen und politischen Unterstützung für die Ukraine aufgefallen.
Die Einbindung dieser Stimmen verlieh der Veranstaltung ein breiteres politisches Gesicht. Aus einer Parteikundgebung wurde dadurch ein Forum für Personen, die wiederholt die Rückkehr zu einer umfassenden Zusammenarbeit mit Russland gefordert und die westlichen Sanktionen angegriffen haben. Der gemeinsame Nenner war nicht nur die Ablehnung der französischen Russlandpolitik, sondern die politische Forderung, die Unterstützung der Ukraine zurückzufahren.
Florian Philippot verfolgt diese Linie seit Langem. Er wirbt für einen Ausstieg Frankreichs aus der Konfrontation mit Russland und kritisiert die Sanktionen des Westens. In Arras wurde diese Haltung nicht lediglich in einer Parteirede wiederholt, sondern mit einem Kreis von Gästen verbunden, die ähnliche Forderungen öffentlich vertreten.
Die Forderungen setzen die Ursache der Sanktionen außer Kraft
Besonders deutlich wurde die Stoßrichtung an der Position des Politikers Nicolas Dupont-Aignan. Er forderte, den „wahnsinnigen Krieg“ zu beenden und die Ukraine in eine entmilitarisierte neutrale Zone umzuwandeln. Eine solche Forderung richtet sich nicht gegen den Aggressor Russland, sondern verlangt von der Ukraine, ihre Verteidigungsfähigkeit aufzugeben und einen politischen Status zu akzeptieren, der den Forderungen des Kremls entgegenkommt.
Der Ruf nach einer Rückkehr zu normalen Beziehungen und nach der Aufhebung der Sanktionen ignoriert dabei den Grund, aus dem diese Beschränkungen eingeführt wurden: Russland führt seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine fort. Solange diese Aggression andauert, würde eine Rückkehr zum Alltag ohne Beseitigung ihrer Ursachen den Druck auf Moskau verringern, ohne das Verhalten des Kremls zu verändern.
Genau darin liegt die politische Funktion der auf der Kundgebung verbreiteten Botschaften. Sie verlangen, den Preis für Russlands Vorgehen zu senken, während die Ukraine ihre Unterstützung und damit einen Teil ihrer Verteidigungsfähigkeit verlieren soll. Ein solcher Ansatz ist kontraproduktiv und gefährlich, weil er Moskau einen Anreiz gibt, den Krieg fortzusetzen und die Eskalation zu verschärfen.
Die Kundgebung dient der innerfranzösischen Mobilisierung
Der Auftritt in Arras passt in eine breitere russische Einflussstrategie. Der Kreml nutzt loyale französische Politiker, um Forderungen in den politischen Raum Frankreichs zu tragen: ein Ende der Unterstützung für die Ukraine, Druck auf Kyjiw zur Annahme von Kapitulationsbedingungen und die Aufhebung der Sanktionen. Die politische Botschaft wird dabei nicht als direkte Unterstützung russischer Kriegsziele präsentiert, sondern als Forderung nach Frieden, Neutralität und der Wiederherstellung von Beziehungen.
Diese Verpackung verändert jedoch nicht den Inhalt. Ein Ende der Hilfe für die Ukraine, die erzwungene Entmilitarisierung des angegriffenen Staates und die Aufhebung des wirtschaftlichen Drucks würden die Forderungen des Kremls erfüllen, ohne dass Russland seine Aggression beenden müsste. Die Kundgebung machte damit sichtbar, wie russlandfreundliche Positionen in Frankreich als innenpolitisches Mobilisierungsinstrument eingesetzt werden.
Der Zeitpunkt ist politisch bedeutsam: Vor dem französischen Präsidentschaftswahlkampf 2027 können solche Forderungen an Wähler gerichtet werden, die Sanktionen, militärische Unterstützung und die Konfrontation mit Russland ablehnen. Les Patriotes verbanden diese Stimmung in Arras mit einem konkreten Programm gegen Sanktionen und gegen die Unterstützung der Ukraine.
Die Kundgebung zeigte deshalb mehr als den Kurs einer einzelnen Partei. Sie brachte ein Netzwerk politischer Stimmen zusammen, das die Rückkehr zu normalen Beziehungen mit dem Kreml fordert, während Russland seinen Angriffskrieg fortsetzt. Das bestätigte Ergebnis des Auftritts in Arras war eine öffentlich organisierte Plattform für die Aufhebung der Sanktionen und das Ende der französischen Unterstützung für die Ukraine.