Tausende Schülerinnen und Schüler haben in vielen Städten gegen eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht und gegen die neuen verpflichtenden Musterungen demonstriert. Auslöser der Debatte ist das neue Wehrdienstgesetz, das Anfang des Jahres in Kraft getreten ist.
Die Initiative Schulstreik gegen Wehrpflicht sprach von mehr als 45.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern an rund 100 Orten im ganzen Land. Die Polizei nannte bislang nur für einzelne Versammlungen konkrete Zahlen.
In Berlin-Wedding seien nach Polizeiangaben 2.400 Menschen auf die Straße gegangen. In München wurden 700, in Nürnberg 400, in Stuttgart 200 und in Frankfurt 180 Demonstrierende gezählt. In Hamburg kamen nach Angaben vor Ort mehrere Hundert Menschen in der Nähe des Hauptbahnhofs zusammen; dort lagen zunächst keine genauen Polizeizahlen vor.
Nach Angaben der Bundesregierung soll das Gesetz mehr junge Menschen für die Bundeswehr gewinnen. Ein Kernpunkt ist die verpflichtende Musterung für junge Männer ab dem Jahrgang 2008. Werden die Zielkorridore nicht erreicht, kann der Bundestag über eine Wehrpflicht entscheiden.
Die Wehrpflicht war 2011 ausgesetzt worden.
Bela Breitner, Pressesprecher von Schulstreik gegen Wehrpflicht, sagte: „Die Bundesregierung meine es ernst damit, die Wehrpflicht schrittweise einzuführen.“ Außerdem erklärte er: „Die Rückmeldung der Fragebögen zeige, dass Jugendliche nicht zur Bundeswehr wollten.“
Die Bundesregierung und die Bundeswehr setzen beim neuen Wehrdienst auf Freiwilligkeit. Ziel ist es, die Zahl der aktiven Soldatinnen und Soldaten bis 2035 auf 255.000 bis 270.000 zu erhöhen. Zum Stichtag 31. Juli lag die Truppenstärke laut Verteidigungsministerium bei etwa 186.700 Männern und Frauen.