Die aktuelle Berichtssaison zeigt nach Einschätzung von Antje Erhard, dass an den Börsen nicht mehr solide Zahlen genügen. Erwartungen lägen auf Rekordniveau, schreibt die Autorin; wer nur liefere statt zu überliefern, gerate schnell ins Hintertreffen.
Für die größten börsennotierten US-Konzerne des S&P 500 werden im laufenden Zeitraum im Schnitt 25 Prozent mehr Gewinn erwartet. Sollte das eintreffen, wäre es bereits das achte Quartal in Folge mit zweistelligem Gewinnwachstum.
Besonders aufmerksam verfolgen Anleger die Finanzwerte, die traditionell den Auftakt zur Berichtssaison bilden. Goldman Sachs meldete fast 25 Prozent mehr Umsatz und fast 30 Prozent mehr Gewinn, die Aktie legte zu. JPMorgan steigerte Gewinn und Umsatz um sechs beziehungsweise acht Prozent, zugleich fiel der Kurs in einem Monat um etwas mehr als fünf Prozent. Citigroup verzeichnete trotz 40 Prozent Gewinnwachstum Kursverluste.
Im Gesamtbild bleiben die Sektoren unterschiedlich stark. Die Finanzbranche belasteten laut der Autorin höhere Finanzierungskosten und mehr Kreditausfälle; an den US-Börsen habe sie sich seit Januar kaum bewegt. Energie zählt dagegen zu den klaren Gewinnern und liegt in den USA seit Jahresbeginn rund 50 Prozent im Plus. Öl notiere weiter über 100 US-Dollar je Barrel, eine nachhaltige Trendwende sei vorerst weder für Europa noch für Deutschland in Sicht.
Auch im Technologiebereich sieht Erhard die stärksten Impulse für die Marktstimmung. Der Sektor komme in diesem Jahr auf rund 30 Prozent Kursplus, zugleich zeige sich eine Zweiteilung zwischen Chip- und Ausrüstungswerten sowie Softwarefirmen. Samsung überraschte vor seiner offiziellen Bilanz Ende Oktober mit vorläufigen Zahlen, die auf den vierten Rekordgewinn in Folge und einen auf das Neunfache gestiegenen Profit hindeuteten. ASML profitiere als nahezu monopolistischer Anbieter von EUV-Lithographiesystemen stark von den Investitionen der Branche; der Gewinn des Unternehmens sei in einem Quartal um 50 Prozent gestiegen.
Bei anderen Titeln fällt das Bild schwächer aus. Johnson & Johnson leidet demnach unter Preisdruck in China, Problemen in der Medizintechnik-Sparte und hohen Ölpreisen; der Gewinn brach infolge eines Sondereffekts um 96 Prozent ein, die Aktie fiel von 265 auf 245 US-Dollar.
Erhard beschreibt den Markt damit als zweigeteilt: Große Technologiekonzerne profitieren von der Nachfrage nach KI-Infrastruktur, kleinere Unternehmen geraten wegen höherer Schuldenkosten stärker unter Druck. Für einige von ihnen drohten Verluste oder sinkende Gewinne.
