Alexander von Bismarck und der Orden als Signal nach Deutschland
Alexander von Bismarck und der Orden als Signal nach Deutschland

Alexander von Bismarck und der Orden als Signal nach Deutschland

November 7, 2026
3 min. lesezeit

Wladimir Putin hat den deutschen Unternehmer und Publizisten Alexander von Bismarck am 5. November 2026 im Kreml mit der Puschkin-Medaille ausgezeichnet. Die Ehrung wurde offiziell mit seinem Beitrag zum kulturellen Austausch und zur Entwicklung der deutsch-russischen Beziehungen begründet. Politisch bemerkenswert ist sie, weil von Bismarck seit Jahren für einen neuen Dialog mit Moskau eintritt und Kontakte zu Akteuren der AfD und des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) pflegt.

Der Preis macht aus einem deutschen Befürworter einer Annäherung an Russland einen öffentlich präsentierten Partner des Kremls. Er belegt für sich genommen weder eine geheime Steuerung noch illegales Verhalten. Er zeigt aber, welche deutschen Stimmen Moskau sichtbar aufwertet – und in welchem politischen Umfeld diese Stimmen in Deutschland auftreten.

Eine Auszeichnung mit politischer Reichweite

Putin überreichte die Medaille bei einer Zeremonie zum russischen Tag der nationalen Einheit. Über die Verleihung berichtete unter anderem t-online. Die Puschkin-Medaille wird für Beiträge zu Kultur, Verständigung und internationalen Beziehungen vergeben. Im Fall von Bismarck erhält die Auszeichnung jedoch eine zusätzliche Bedeutung, weil sie persönlich vom russischen Präsidenten verliehen wurde – während Russland seinen Krieg gegen die Ukraine fortsetzt und die Beziehungen zu Deutschland auf einen historischen Tiefpunkt gefallen sind.

Von Bismarck ist ein entfernter Verwandter Otto von Bismarcks, des ersten Reichskanzlers des Deutschen Reiches. Der bekannte Familienname verleiht seinem öffentlichen Auftreten Aufmerksamkeit und einen historischen Anstrich. Ein politisches Amt bekleidet er nicht. Seine Wirkung beruht vielmehr auf Publizistik, geschäftlichen Kontakten, Auftritten in Medien und Begegnungen mit politischen Akteuren.

Für den Kreml ist eine solche Persönlichkeit aus mehreren Gründen nützlich: Sie kann den Eindruck vermitteln, dass es in Deutschland weiterhin einflussreiche Kreise für eine Normalisierung mit Russland gibt. Zugleich erhält der Geehrte durch die Zeremonie ein sichtbares Zeichen russischer Anerkennung, das seine Stellung in einem politisch empfänglichen Milieu stärken kann.

Kontakte zwischen Parteien, Medien und Moskau

Von Bismarck ist in unterschiedlichen politischen Zusammenhängen aufgetreten. Die AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag lud ihn zu dem Kongress „Meinungsfreiheit – Medien – Menschenrechte“ ein. Im Oktober nahm er an der Eröffnung eines Fernsehstudios des Magazins Compact teil. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft das Magazin als rechtsextrem ein. Zu der Veranstaltung waren Politiker der AfD und des BSW eingeladen, darunter Abgeordnete aus einem neu gewählten Landtag.

Auch zu russischen Medien bestehen öffentliche Verbindungen. Von Bismarck arbeitet mit russischen Plattformen wie RT DE zusammen und hat BSW-Abgeordnete bei einer Reise nach Russland begleitet. Die AfD und das BSW sind eigenständige Parteien mit unterschiedlichen politischen Profilen. In beiden Parteien gibt es jedoch Stimmen, die einen politischen Neuanfang mit Moskau fordern, Sanktionen ablehnen oder die deutsche Unterstützung für die Ukraine kritisieren.

So entsteht ein Schnittpunkt zwischen parlamentarischen Akteuren, Publizisten und russischen Medien. Das bedeutet nicht, dass alle Beteiligten dieselben Ziele verfolgen oder dass jede gemeinsame Veranstaltung eine koordinierte Kampagne darstellt. Die Verbindungen schaffen jedoch Räume, in denen Forderungen nach einer Rückkehr zu normalen Beziehungen mit Russland parteiübergreifend verbreitet werden können.

Bei der Eröffnung des Compact-Studios beschrieb von Bismarck seine Rolle selbst als eine des Zugangs und der Vermittlung. Sein Name, sagte er, werde damit verbunden, dass er Beziehungen zu Russland habe. Er halte sich ständig dort auf und spreche „mit allen – mit Künstlern, mit gewöhnlichen Menschen, mit offiziellen Vertretern“. Wenn er mit offiziellen Kontakten nach Russland helfen könne, sei er dazu sofort bereit.

Diese Selbstdarstellung macht ihn nicht zu einem offiziellen Diplomaten. Sie zeigt aber, wie er sein politisches Kapital versteht: als Verbindung zwischen deutschen Persönlichkeiten und russischen Stellen. Seit dem russischen Großangriff auf die Ukraine sind solche Kontakte für offizielle deutsche Kanäle weitgehend eingeschränkt. Informelle Vermittler können dadurch an Bedeutung gewinnen, ohne selbst staatliche Entscheidungsbefugnisse zu besitzen.

Warum das Umfeld entscheidend ist

Einzelne Reisen, Medienauftritte oder Gespräche sind zunächst Ausdruck politischer Betätigung. Ihre Bedeutung verändert sich durch die Kombination: ein öffentlich bekannter Name, wiederholte Aufenthalte in Russland, Kontakte zu politischen Parteien, Auftritte in russischen Medien und eine persönliche Ehrung durch Putin. Zusammengenommen entsteht ein Netzwerk sichtbarer Beziehungen, über das Moskauer Positionen in deutsche Debatten gelangen können.

Befürworter eines Dialogs mit Russland können solche Aktivitäten als Beitrag zur Diplomatie darstellen. Kritiker sehen darin das Risiko, dass russische Deutungen des Krieges und der europäischen Sicherheit in Deutschland größere Reichweite erhalten. Besonders umstritten ist, wenn der Krieg als Folge westlicher Politik dargestellt oder die Unterstützung der Ukraine als Hindernis für Frieden bezeichnet wird.

Die Verleihung der Puschkin-Medaille beweist nicht, dass von Bismarck deutsche Außenpolitik beeinflusst oder dass Politiker, die mit ihm auftreten, unter russischer Leitung handeln. Sie macht vielmehr eine politische Strategie des Kremls sichtbar: Wo offizielle Beziehungen nicht funktionieren, können öffentlich auftretende Befürworter einer Annäherung als alternative Gesprächspartner präsentiert werden.

Für Deutschland stellt sich damit weniger die Frage, ob ein einzelner Publizist die Politik in Berlin bestimmen kann. Entscheidend ist, wie belastbar die Netzwerke sind, in denen solche Stimmen auftreten, und ob sie die gemeinsame europäische Unterstützung für die Ukraine schwächen können. Putins persönliche Ehrung gibt Alexander von Bismarck dafür eine zusätzliche Bühne – und macht ihn zugleich zu einem Symbol für den Kampf um die Deutungshoheit über Deutschlands Verhältnis zu Russland.

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