Bernhard Schlink, Jurist und Schriftsteller, hat den Umgang der parlamentarischen Institutionen mit der Alternative für Deutschland (AfD) kritisiert. In einem Podcast der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ äußerte er, dass es „keine Perspektive“ für einen Abbau der politischen Brandmauer zur AfD gebe, jedoch das derzeitige Vorgehen problematisch sei. Schlink bemängelte, dass die AfD nicht an den parlamentarischen Ritualen und Konventionen in dem gleichen Maße teilnehmen dürfe wie andere Parteien. Dies zeige sich insbesondere in der Ablehnung von AfD-Kandidaten für Ausschussvorsitze und Vizepräsidentschaften.
Diese Praxis sei nicht nur institutionell heikel, sondern sende auch ein Signal an viele Bürger, besonders im Osten Deutschlands, die das Gefühl haben könnten, nicht gehört zu werden. Schlink warnte, dass dieses Vorgehen das Vertrauen in die demokratischen Institutionen zusätzlich gefährden könnte. Er deutete an, dass eine stärkere Einbindung von AfD-Abgeordneten in den Parlamentsbetrieb möglicherweise zu einer positiveren Dynamik führen könnte. Wenn diese Abgeordneten Verantwortung für Ordnung und Verfahren im Parlament übernehmen, könnte dies das politische Klima verbessern.
Darüber hinaus sprach sich Schlink für die Einführung von Bürgerräten aus, die seiner Meinung nach als „milde Form von direkter Demokratie“ fungieren könnten. Diese Gremien könnten dazu beitragen, politische Energie effektiver zu lenken. Auch zur Thematik der Beleidigung von Politikern äußerte sich der frühere Staatsrechtslehrer kritisch und bezeichnete den Straftatbestand als „bizarr“. Politiker sollten seiner Meinung nach in der Lage sein, mit Kritik umzugehen und ein „dickes Fell“ zu haben.