Boris Palmer, der Oberbürgermeister von Tübingen, hat kürzlich in einem Interview mit dem „Spiegel“ bekräftigt, dass er keine seiner umstrittenen Äußerungen bereut. Obwohl er sich darüber ärgert, dass seine Gegner dadurch neuen Anlass zur Diskreditierung erhalten, glaubt er, dass er in seinen öffentlichen Stellungnahmen weiterhin klar und konsequent bleiben sollte. Palmer gab an, inzwischen zur Vermeidung von Shitstorms mit künstlicher Intelligenz zu arbeiten. Diese überprüfe seine Postings, bevor er sie veröffentlicht, weil er die Sorge hat, in seiner Wortwahl missverstanden zu werden.
Er räumte ein, gelegentlich „falsche Sachen“ gesagt zu haben, und erklärte, in solchen Fällen oft Entschuldigungen ausgesprochen zu haben, um weiteren Schaden abzuwenden. Dies tue er jedoch nicht immer in der Absicht, tatsächlich eine Umkehr zu vollziehen. Er kritisierte die gesellschaftliche Tendenz, Menschen zu verunglimpfen, bis sie gezwungen seien, sich zu entschuldigen.
In Bezug auf die aktuelle gesellschaftliche Debatte über die Sprachregulierung betonte Palmer, dass der gegenwärtige Zeitgeist der Wokeness auf dem Rückzug sei. Er sieht eine wachsende Ablehnung innerhalb der Gesellschaft gegenüber übertriebenem Moralismus und Sprachregelungen.
Palmer, der in der Vergangenheit oft in Migrationsfragen aneckte, hat sich in letzter Zeit gemäßigt und seine politische Position gestärkt. Dennoch hat er klargestellt, dass er kein Interesse an einem Ministerposten in der voraussichtlichen Landesregierung unter Cem Özdemir von den Grünen hat, schließt jedoch nicht aus, möglicherweise in die Regierungsarbeit eingebunden zu werden.