Die Bundesregierung hat den offenen Brief des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an Russlands Präsidenten Wladimir Putin begrüßt, in dem dieser ein persönliches Treffen vorschlägt. Der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille äußerte am Freitag, die Bundesregierung teile Selenskyjs Auffassung, dass auch Vertreter Europas und der Vereinigten Staaten in Gespräche mit Russland einbezogen werden sollten. Hille betonte, dass Entscheidungen über die Ukraine nicht ohne die Europäer getroffen werden dürften.
Dennoch sieht die deutsche Regierung nach wie vor keine Bereitschaft Seitens Russlands zur Wiederaufnahme von Verhandlungen. „Im Gegenteil, wir sehen regelmäßig brutale Angriffe“, sagte Hille. Es sei an Russland, ernsthaft den Frieden zu suchen und belastbare Signale für eine Verhandlungsbereitschaft zu senden.
Im Brief erklärt Selenskyj, dass Russland die alleinige Verantwortung für den Krieg trage und hebt die militärischen, wirtschaftlichen und politischen Kosten für das Land hervor. Er betont, dass die Ukraine dem russischen Angriff standgehalten habe, internationale Unterstützung erhalte und Russland zunehmend isoliert werde. Zudem schlägt er direkte Verhandlungen zwischen sich und Putin in einem neutralen Land vor, zum Beispiel in der Türkei oder der Schweiz.
Als Grundlage für Gespräche bietet Selenskyj einen vollständigen Waffenstillstand während der Verhandlungen sowie einen Gefangenenaustausch nach dem Prinzip „Alle gegen alle“ an. Er fordert zudem die Rückführung von verschleppten Zivilisten und Kindern. Selenskyj appelliert an Putin, den Krieg zu beenden, warnt jedoch gleichzeitig, dass die Ukraine andernfalls weiterkämpfen werde und Russland mit zunehmenden Problemen rechnen müsse.