Rund fünf Monate nach dem Start der Fragebogenaktion für den neuen Wehrdienst hat das Bundesverteidigungsministerium eine positive Bilanz gezogen. Insgesamt wurden etwa 298.200 Anschreiben versendet, davon 153.200 an männliche und rund 145.000 an Personen „anderen Geschlechts“. Von den angeschriebenen Männern haben etwa 96 Prozent innerhalb der gesetzten Frist geantwortet. Bei den verbleibenden vier Prozent wird die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens geprüft. Bei den weiblichen Empfängern liegt die Rücklaufquote lediglich bei vier Prozent, da ihre Teilnahme freiwillig war.
Von den männlichen Befragten äußerten mehr als 20 Prozent Interesse an einem Wehrdienstverhältnis. Das Interesse unter den Frauen liegt bei 55 Prozent. Umgerechnet zeigen somit etwas über 30.000 Männer und rund 3.200 Frauen Interesse am Wehrdienst, wobei die Hälfte einen geringen Grad an Interesse angab. Bei den Männern lag der Durchschnittswert auf einer Skala von 1 (wenig Interesse) bis 10 (sehr viel Interesse) bei etwa fünf. Rund 50 Prozent der Männer, die nicht „0“ angaben, wählten Werte von 1 bis 4, 15 Prozent vermerkten einen Wert von 5 und 35 Prozent gaben einen Wert von 6 bis 10 an.
Die Musterung ergab, dass etwa 1.500 Musterungen beziehungsweise Assessments durchgeführt wurden. Weitere 600 Termine sind aktuell anberaumt. Von den männlichen Teilnehmern wurden rund 80 Prozent als wehrdienstfähig angesehen. Das Ministerium hat festgestellt, dass nach einer Abstimmung der persönlichen Vorstellungen und den Anforderungen der Bundeswehr mehr als 530 Interessierte für einen Wehrdienst im Jahr 2026 eingeplant werden konnten. Circa zwei Drittel dieser Interessierten können aufgrund von Schul- und Ausbildungsbindung erst in ein oder zwei Jahren zum Wehrdienst antreten.
Das Bundesverteidigungsministerium plant zudem, auch Männer zu Musterungen einzuladen, die kein Interesse geäußert haben. Die Auswahl erfolgt nach Wohnortnähe und regionalen Musterungskapazitäten. Diese Musterungen werden schrittweise erweitert, um ab dem 1. Juli 2027, gemäß dem Wehrdienstmodernisierungsgesetz, alle männlichen 18-jährigen Personen mustern zu können.
Parallel zur Fragebogenaktion laufen im Rahmen der klassischen Personalgewinnung reguläre Beratungs- und Assessmenttermine bei den Karrierecentern der Bundeswehr. Im Jahr 2026 sind auf diesem Weg rund 38.500 Bewerbungen und etwa 11.000 Einstellungen für alle Laufbahnen verzeichnet worden, was einem Anstieg von etwa 24 Prozent bei den Bewerbungen und 13 Prozent bei den Neueinstellungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Das Ministerium geht davon aus, dass die personellen Aufwuchsziele für 2026 erfolgreich erreicht werden.