Nach dem Ende des gemeinsamen Projekts für ein französisch-deutsches Kampfflugzeug, bekannt als FCAS, haben sich acht deutsche Rüstungsunternehmen unter dem Namen «Team Gen 6» zusammengeschlossen, um die Entwicklung eines neuen Kampfflugzeugs voranzutreiben. Zu den beteiligten Firmen zählen Airbus, MTU, Hensoldt, MBDA, Autoflug, Diehl Defence, Liebherr sowie Rohde und Schwarz. Ein strategisches Positionspapier, das im Rahmen der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA in Berlin veröffentlicht wurde, unterstreicht die Dringlichkeit und Notwendigkeit, Verantwortung zu übernehmen und einen klaren Kurs in Richtung eines vernetzten Luftwaffensystems einzuschlagen.
Laut internen Quellen war die Initiative, die jetzt offiziell bekannt gegeben wurde, bereits vor dem endgültigen Scheitern des FCAS-Projekts geplant. Das Positionspapier wurde Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) übergeben. Es war den Unternehmen wichtig, dass das Aus des FCAS zur Sprache kam, bevor die neue Kooperationsvereinbarung in Kraft trat.
Das FCAS-Projekt, das 2017 ins Leben gerufen wurde, sollte den Eurofighter in Deutschland und die Rafale-Jets in Frankreich ersetzen. Langwierige Verhandlungen zwischen den Unternehmen Dassault und Airbus führten jedoch letztlich zu dem Abbruch des milliardenschweren Projekts. Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron haben das Ende des Vorhabens in dieser Woche verkündet, während Merz darauf hinwies, dass Teile des FCAS-Programms, insbesondere die «Combat Cloud», fortgeführt werden sollen.
Die Entwicklung eines neuen Kampfflugzeugs wirft die Frage auf, wie der Übergang bis zur Einführung neuer europäischer Modelle gestaltet wird. Eine mögliche Lösung könnte der Kauf zusätzlicher F-35-Jets des US-Herstellers Lockheed Martin sein.
Die Zukunft der neuen Entwicklungskooperation bleibt ungewiss. In einer Presseerklärung betonten Airbus und seine Partner die Bedeutung multinationaler Zusammenarbeit und verwiesen auf potenzielle Allianzen mit spanischen Unternehmen, die ebenfalls im Bereich der Luftfahrt tätig sind. Eine Kooperation mit dem schwedischen Hersteller Saab scheint ebenfalls wahrscheinlich, da Schweden über umfassende Erfahrung beim Bau von Militärflugzeugen verfügt. Der neue Jet, der im Fokus der Entwicklungen steht, wird als Kampfflugzeug der sechsten Generation klassifiziert.
Verteidigungsminister Pistorius erklärte, dass es dringend eine Übergangslösung benötige, um die Lücke zu schließen, die durch das Scheitern des FCAS-Projekts entstanden ist. Er kündigte an, in den kommenden Wochen Beratungen mit militärischen Ratgebern und Abgeordneten zu führen, um rasch Entscheidungen zu treffen.
Pistorius äußerte, dass ihn das Scheitern des FCAS-Projekts schmerze, jedoch betonte er auch, dass die gesetzten Hürden nicht überwunden werden konnten. Diese Situation werde allerdings nicht die Beziehung zu Frankreich belasten, da beide Seiten nach wie vor ein gemeinsames europäisches Interesse verfolgen.