Die gemeinsame Entwicklung des deutsch-französischen Kampfjet-Projekts Future Combat Air System (FCAS) ist offiziell beendet. Bundeskanzler Friedrich Merz und der französische Präsident Emmanuel Macron haben am 8. Juni 2026 beschlossen, den weiteren Verlauf des Prestigeprojekts der europäischen Rüstungskooperation nicht fortzusetzen. Aufgrund anhaltender Differenzen zwischen den Industriepartnern Airbus und Dassault ist es zu diesem Schritt gekommen.
Die Verhandlungen zwischen den beiden Unternehmen waren schon seit längerer Zeit von Schwierigkeiten geprägt. Trotz mehrfacher Versuche, eine Einigung zu erzielen, blieben die Gespräche erfolglos. Eine Schlichtung hatte nicht den gewünschten Erfolg gebracht, und es gelang nicht, die Verteidigungsunternehmen unter politischem Druck zusammenzubringen. Bereits im März hatte Macron trotz seines optimistischen Auftretens angedeutet, dass die Situation angespannt bliebe.
Die Sorgen um mögliche ungleiche Partnerrollen in dem Projekt hatten sich immer weiter verstärkt. Dassault-Chef Eric Trappier hatte wiederholt betont, dass er eine klare Führungsrolle in der Kooperation einnehmen wolle, was auf der deutschen Seite auf Widerstand stieß. Dies führte zu Spekulationen, dass Frankreich vorwiegend nach Know-how und Aufträgen der deutschen Partner streben könnte, während die deutsche Seite vor allem für die Finanzierung verantwortlich gemacht wurde.
Die Probleme in der Zusammenarbeit wurden in Deutschland auch öffentlich thematisiert, etwa durch die IG Metall, die eine Beendigung der Kooperation mit Dassault forderte. Auf der Bilanz-Pressekonferenz von Airbus wurde erneut auf die gescheiterte Zusammenarbeit hingewiesen, und Konzernchef Guillaume Faury deutete ebenfalls an, dass man möglicherweise einen alternativen Ansatz verfolgen müsse.
Die Schließung des FCAS-Projekts markiert einen Tiefpunkt in der seit 2017 bestehenden deutsch-französischen Kooperation im Rüstungsbereich, die ursprünglich unter der Führung der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Macron ins Leben gerufen wurde. Die Ankündigung aus Berlin, dass das Projekt eingestellt wird, kam für viele überraschend und wurde in Paris erst später bestätigt, was auf bestehende Kommunikationsprobleme zwischen den beiden Nationen hinweist.
Für Deutschland stellt das Scheitern des FCAS-Projekts eine Herausforderung dar. Die Bundesregierung muss nun neue Partner für künftige Kampfflugzeuge suchen. Gleichzeitig bleibt die Frage offen, welche Rolle Kampfjets im Zuge der modernen Kriegsführung, insbesondere angesichts des wachsenden Einsatzes von Drohnen, künftig spielen werden.