Der kommissarische Berliner CDU-Landesvorsitzende und Finanzsenator Stefan Evers hat öffentlich Zweifel daran geäußert, ob Friedrich Merz noch die richtige Person für das Amt des Bundeskanzlers ist. Zugleich warf er dem CDU-Parteivorsitzenden fehlende Empathie und Nahbarkeit vor.
Evers sagte dem Tagesspiegel: „Jeder Spitzenpolitiker muss im Sinne der Sache immer wieder bewerten, ob irgendwann ein Punkt erreicht ist, an dem man den eigenen Überzeugungen womöglich mehr im Wege steht, als dass man ihnen nutzt“. Zu der Frage, ob dieser Zeitpunkt bei Merz schon erreicht sei, sagte er, dieser brauche von ihm „keine Ratschläge“.
Der CDU-Politiker warnte, enttäuschte Hoffnungen und Erwartungen kosteten politische Glaubwürdigkeit und damit auch Vertrauen. Die Ursache einer Vertrauenskrise sieht er bereits im Frühjahr 2025.
Damals hatten Union und SPD in Gesprächen über eine Regierungsbildung eine Lockerung der Schuldenbremse und ein 500 Milliarden Euro schweres, schuldenfinanziertes Sondervermögen für Infrastruktur beschlossen. Evers fragte: „Warum passiert kurz nach der Wahl das Gegenteil von dem, was Friedrich Merz noch Tage vorher als rote Linie bezeichnet hat?“
Nach seinen Worten sind viele Menschen angesichts der schlechten Umfragewerte des Kanzlers „extrem frustriert über die Performance der Bundesregierung“. Diese Frustration werde oft nicht an konkreten Inhalten festgemacht, sondern an einzelnen Personen.
Evers führte die Berliner CDU vor zwei Wochen als Spitzenkandidat in die Abgeordnetenhauswahl.
