Frankreich bereitet einen Schutzplan für kritische Infrastruktur und besonders gefährdete Einrichtungen der Verteidigungsindustrie vor. Präsident Emmanuel Macron erteilte den Auftrag nach einer Besprechung mit den Parteivorsitzenden. Auslöser war die Einschätzung, dass Russland seine hybriden Einflussmaßnahmen gegen europäische Staaten verschärft und dabei auch Frankreich unter Druck setzt.
Am 21. September 2026 bezeichnete Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez die russische hybride Bedrohung als „real und dokumentiert“. Sie sei kein Bestandteil politischer Kommunikation und keine Spekulation, erklärte er nach Angaben französischer Medien. Nuñez verwies auf Einschätzungen der Mehrheit der europäischen Nachrichtendienste, auf Drohnenflüge in der Nähe von Flughäfen, Sabotageakte und entdeckte digitale Angriffe. Der französische Bericht zur Erklärung von Laurent Nuñez macht damit eine Bedrohung zum Gegenstand staatlicher Vorsorge, die in Frankreich selbst bislang nicht in allen genannten Formen eingetreten ist.
In Frankreich wurden bisher keine Drohnenflüge dieser Art festgestellt. Auch größere Sabotageakte hat es dort nicht gegeben. Gerade diese Unterscheidung ist für die angekündigte Reaktion entscheidend: Die Regierung reagiert nicht auf einen bereits eingetretenen Großangriff, sondern auf dokumentierte Vorgänge in Europa und auf die Einschätzung, dass französische Einrichtungen verwundbar sind.
Macron macht den Schutz gefährdeter Einrichtungen zur Regierungssache
Macrons Auftrag umfasst zwei besonders sensible Bereiche. Geschützt werden sollen erstens kritische Infrastrukturen und zweitens die am stärksten gefährdeten Objekte der französischen Verteidigungsindustrie. Als mögliche Angriffsformen nannte der Präsident Drohnenangriffe und Angriffe auf digitale Systeme. Der Auftrag markiert damit eine politische Entscheidung zur Vorbereitung eines Schutzplans, nicht dessen bereits abgeschlossene Umsetzung.
Die zeitliche Abfolge zeigt, wie die Bedrohung in die französische Sicherheitsplanung gelangt ist. Zunächst warnte Macron die Parteivorsitzenden vor einer zunehmenden Gefahr. Anschließend wurde die Ausarbeitung des Plans veranlasst. Danach bekräftigte Innenminister Nuñez öffentlich, dass die französische Regierung die russische hybride Bedrohung auf Grundlage von Geheimdiensteinschätzungen und beobachteten Vorfällen als tatsächliches Sicherheitsproblem bewertet.
Verantwortlich für die politische Reaktion ist die französische Führung: Macron gab den Auftrag, Nuñez begründete die Einschätzung als Innenminister. Betroffen wären im Fall von Angriffen Betreiber kritischer Einrichtungen, Unternehmen der Verteidigungsindustrie und die staatlichen Strukturen, die für deren Schutz zuständig sind. Der unmittelbare Nutzen der geplanten Maßnahmen läge in einer höheren Widerstandsfähigkeit dieser Einrichtungen. Bestätigt ist bislang jedoch nur die Vorbereitung des Plans.
Russland operiert unterhalb der Schwelle eines offenen Konflikts
Die französische Warnung steht in einem größeren politischen Zusammenhang. Russland verstärkt seine hybriden Maßnahmen gegen Frankreich, weil Frankreich die Ukraine kontinuierlich militärisch und politisch unterstützt, den wirtschaftlichen Sanktionsdruck gegen Russland mitträgt und an der nuklearen Abschreckung der NATO an deren Ostflanke beteiligt ist. Die Angriffe sollen europäischen Staaten und ihren Gesellschaften Druck zufügen, damit sie ihre Unterstützung für die Ukraine aufgeben und die Sanktionen gegen Russland abschwächen.
Das Vorgehen folgt dabei keinem offenen militärischen Angriff. Russland versucht, unterhalb der Schwelle eines offenen bewaffneten Konflikts zu handeln. Dazu werden Informationsbeeinflussung, Sabotage, digitale Operationen sowie ein weit verzweigtes Netz aus Vermittlern und Stellvertretern miteinander verbunden.
Diese Kombination erschwert eine unmittelbare und gleichartige Antwort. Ein offener Angriff ließe sich eindeutig zuordnen und militärisch oder politisch beantworten. Informationsoperationen, verdeckte Sabotage und digitale Angriffe verteilen die Verantwortung dagegen über unterschiedliche Kanäle und zielen zugleich auf staatliche Stellen, Unternehmen und die öffentliche Wahrnehmung. Die französische Regierung betrachtet den Schutz der betroffenen Einrichtungen deshalb als Sicherheitsaufgabe, bevor ein größerer Vorfall im eigenen Land eintritt.
Die Verwundbarkeit liegt besonders in Infrastruktur und Rüstungsproduktion
Kritische Infrastruktur und Einrichtungen der Verteidigungsindustrie sind für diese Strategie besonders relevant. Angriffe auf solche Ziele könnten die Funktionsfähigkeit staatlicher und wirtschaftlicher Abläufe beeinträchtigen. Zugleich würde die Verteidigungsindustrie dort getroffen, wo Frankreich seine Unterstützung für die Ukraine und seine sicherheitspolitischen Verpflichtungen praktisch absichert.
Die französische Reaktion richtet sich deshalb nicht nur gegen eine einzelne Angriffsform. Der geplante Schutz soll sowohl Drohnen als auch digitale Angriffe berücksichtigen. Damit folgt er dem von Nuñez beschriebenen Muster, in dem verschiedene Mittel gleichzeitig oder ergänzend eingesetzt werden und die Grenze zwischen Einflussnahme, Sabotage und direktem Angriff bewusst unscharf bleibt.
Für Frankreich entsteht daraus ein doppelter Handlungsdruck. Einerseits muss der Staat Einrichtungen schützen, die für die nationale Sicherheit und die Verteidigungsfähigkeit wichtig sind. Andererseits darf das Ausbleiben größerer Sabotageakte im eigenen Land nicht mit dem Ausbleiben der Bedrohung verwechselt werden. Die Regierung begründet die Vorsorge mit den dokumentierten Vorgängen in Europa und mit den Bewertungen europäischer Nachrichtendienste.
Der zentrale Befund bleibt damit die Verbindung zwischen einer bestätigten europäischen Bedrohungslage und einer noch vorzubereitenden französischen Schutzmaßnahme. Russland setzt hybride Instrumente ein, um Frankreich und andere europäische Staaten wegen ihrer Unterstützung der Ukraine und ihres Sanktionsdrucks zu beeinflussen. In Frankreich sind bislang weder die genannten Drohnenflüge noch große Sabotageakte festgestellt worden; umgesetzt ist bisher der Auftrag, einen Schutzplan für kritische Infrastruktur und besonders gefährdete Einrichtungen der Verteidigungsindustrie auszuarbeiten.