Thorsten Frei ist am 29. Juli 2026 mit 91,9 Prozent der Stimmen zum neuen Fraktionschef der Unionsfraktion gewählt worden. Dies geschah nur elf Tage nach dem Rücktritt von Jens Spahn. In einer Sondersitzung wählten die Abgeordneten Frei, der zuvor Kanzleramtschef war. Dieser Schritt erfolgt nach der Ernennung von drei neuen Ministern durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, wodurch die erste Umbildung des Kabinetts abgeschlossen wurde.
Kanzler Friedrich Merz äußerte sich zufrieden mit der Neuaufstellung der Regierung und der Fraktion, trotz anhaltender Kritik an seinen personalpolitischen Entscheidungen. Merz betonte, dass er auf eine neue Dynamik in der Unionsfraktion hoffe. Markus Söder, CSU-Chef, teilte diese Zuversicht und verwies auf das Potenzial, das aus der aktuellen Neuaufstellung hervorgehen könne.
Frei erhielt ein überdurchschnittlich gutes Wahlergebnis, was im Kontext der Unzufriedenheit in der Union überrascht. Obwohl die Skepsis aufgrund von Merz‘ Personalumbauten vorhanden ist, zeigt Freis Wahl, dass er über breiten Rückhalt in der Fraktion verfügt. Der Jurist und erfahrene Bundestagsabgeordnete, der bereits 2021 Parlamentarischer Geschäftsführer war, sieht sein Ergebnis als Vertrauensbeweis und beabsichtigt, der Fraktion eine „selbstbewusste Stimme“ zu geben.
Vor seiner Wahl gab es Bedenken, dass Frei für die Kontroversen um Merz bestraft werden könnte, insbesondere im Zusammenhang mit der Abberufung von Verkehrsminister Patrick Schnieder und weiterer Personalveränderungen. Kritische Stimmen innerhalb der Union, auch von Ostdeutschen Abgeordneten, machten Merz für die Unzufriedenheit verantwortlich. Dieser reagierte darauf, indem er Fehler einräumte und den Dialog suchte.
Frei, der aufgrund eines Umzugs ins Kanzleramt zuvor in der Kritik stand, kehrt nun zur Fraktionsführung zurück. In dieser Funktion muss er sicherstellen, dass die Unionsfraktion ein starkes Gegengewicht zum Kanzleramt bleibt. Seine Amtsübernahme von Jens Spahn folgt einer kurzen, aber turbulenten Phase, in der Merz insgesamt acht Personalwechsel innerhalb von eineinhalb Wochen vorgenommen hat.
Die letzten Personalfragen, darunter die Besetzung des Staatsministeriums für Sport, sind weiterhin offen. Merz plant, sich nach der Fraktionssitzung in den Urlaub zu begeben, in der Hoffnung, dass sich die interne Unruhe bis dahin legt.