Mehrere Institutionen im Bundesland Sachsen-Anhalt haben vor einer möglichen Regierungsbeteiligung der AfD bei der Landtagswahl im September 2026 gewarnt. Maik Reichel, Direktor der Landeszentrale für Politische Bildung, äußerte in einem Interview mit der „Wochentaz“, dass er Besorgnis über die möglichen Auswirkungen einer solchen Entwicklung habe. Reichel befürchtet eine starke Einflussnahme auf die Bildungs- und Kulturpolitik, sollte die AfD ihr Wahlversprechen, die Landeszentrale abzuschaffen und stattdessen ein „Landesinstitut für staatspolitische Bildung und kulturelle Identität“ zu errichten, umsetzen.
Die AfD plant auch, die Position der Gleichstellungsbeauftragten abzuschaffen und durch eine Familienbeauftragte zu ersetzen, um Anreize zur Erhöhung der Geburtenrate zu schaffen. Sarah Schulze, die derzeitige Gleichstellungsbeauftragte, warnte vor den gesellschaftlichen Konsequenzen, die eine solche Politik mit sich bringen könnte, insbesondere hinsichtlich der Selbstbestimmung von Frauen. Sie betonte, dass die Landesverfassung die Gleichstellung der Geschlechter explizit fordere.
Im Bildungsbereich strebt die AfD weitreichende Veränderungen an. Ein Vorschlag umfasst die Abschaffung der Schulpflicht und die Stärkung des Heimatkundeunterrichts, während Inklusionsklassen abgeschafft werden sollten. Malte Gerken von der Bildungsgewerkschaft GEW zeigte sich besorgt über den drohenden Lehrermangel, falls diese Maßnahmen umgesetzt werden. Er argumentierte, dass die Bildungspolitik der AfD negative Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt haben und die gesellschaftliche Spaltung verstärken würde.
Die GEW fürchtet zudem negative Auswirkungen auf die Wissenschaft. Eva Gerth, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft, warnte, dass eine AfD-Regierung weniger Wissenschaftler in das Bundesland ziehen könnte und dass Studierende, die eine flexible Studienstruktur bevorzugen, andere Universitäten wählen würden. Sie betonte die Wichtigkeit von Hochschulen als Arbeitgeber sowie für die regionale Entwicklung und den Erhalt wissenschaftlicher Standards.
Nancy Emmel, Vizevorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Sachsen-Anhalt, thematisierte die Unabhängigkeit der Polizei und deren Bindung an das Recht, nicht an politische Weisungen. Sie forderte von der kommenden Landesregierung, auf die Unabhängigkeit der Polizei zu achten und die Beschäftigten vor politischem Druck zu schützen. Emmel appellierte zudem an klare rechtliche Verfahren im Umgang mit sicherheitsrelevanten Informationen und Dokumenten.