Der ehemalige AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen äußert sich kritisch über die Entwicklung seiner Partei und warnte vor einer driftenden Tendenz ins Völkisch-Nationalistische. In einem Interview mit dem Magazin „Politico“ erklärte Meuthen, dass er in der Vergangenheit Allianzen eingegangen sei, die nicht klug gewesen seien, insbesondere in Bezug auf seine Zusammenarbeit mit dem „Flügel“ unter Björn Höcke. Er gab zu, die extremen Ansichten dieser Gruppierung lange Zeit nicht ernst genommen zu haben, was er nun als großen Irrtum bezeichnet.
Meuthen reflektierte auch über den gescheiterten Machtkampf mit der ehemaligen Parteivorsitzenden Frauke Petry. Ihrer gemeinsamen Vision, eine andere Richtung für die Partei zu prägen, ging seiner Meinung nach verloren, was die politische Entwicklung der AfD negativ beeinflusste. Er betonte, dass Petry dem freiheitlichen Denken zugeneigt sei, was bei einer harmonischen Zusammenarbeit zu einem anderen Verlauf der Partei hätte führen können.
Darüber hinaus verwies Meuthen auf die neurechte Denkfabrik „Institut für Staatspolitik“ des Publizisten Götz Kubitschek und stellte fest, dass der ideologische Einfluss dieser Institution erheblich sei. Der Kurs der Partei habe sich in eine völkisch-nationalistische Richtung entwickelt, die nicht mit seiner politischen Linie vereinbar sei.
In Bezug auf die nordrhein-westfälische AfD äußerte Meuthen Bedenken über die internen Machtverhältnisse. Während er den Landeschef Martin Vincentz als „vernünftigen Mann“ bezeichnete, stufte er den Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich als „glasklaren Rechtsextremisten“ ein. Der gescheiterte Versuch, Helferich aus der Partei auszuschließen, sei ein entscheidender Faktor für seinen Austritt gewesen. Meuthen kritisierte zudem den Rückhalt, den Alice Weidel für Helferich bietet, und prognostizierte, dass Vincentz bald aus der Partei gedrängt werden könnte.