Bernd Lucke, Mitgründer der Alternative für Deutschland (AfD), hat in einem Gastbeitrag für die „Welt am Sonntag“ eine generelle programmatische Neuausrichtung seiner ehemaligen Partei gefordert. Er stellte den Vorschlag in den Raum, ein Grundsatzprogramm nach Vorbild des Godesberger Programms der SPD zu entwickeln, um die AfD klar zu den politischen Grundwerten von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, NATO, EU und sozialer Marktwirtschaft zu bekennen.
Lucke weist darauf hin, dass die Partei momentan einer wachsenden Ausgrenzung ausgesetzt sei und nicht nur ihrer demokratischen Grundüberzeugung pauschal die Daseinsberechtigung abgesprochen werde, sondern auch immer wieder in einen Kontext mit der NSDAP gebracht werde. Diese Vergleiche hält er für infam und für unangemessen angesichts der Geschichte des Holocausts.
Er räumt ein, dass es auch inhaltliche Gründe für die Ablehnung der AfD gebe, insbesondere betreffend deren Menschenbild und Haltung zu NATO, EU sowie Russland. Lucke betont, dass die AfD ein Selbstverständnis als „staatstragende Reformpartei“ entwickeln müsse, statt in der Rolle der Fundamentalopposition zu verbleiben. Ein solcher Schritt könnte die Beziehung zwischen der AfD und anderen Parteien auflockern und als „Lackmus-Test“ fungieren.
Die Notwendigkeit eines solchen Wandels sei aus der Sicht von Lucke entscheidend, um die festgefahrenen Positionen auf beiden Seiten zu überwinden und das politische Klima in Deutschland zu verbessern.