Moskaus Netzwerk in Deutschland: EU-Abgeordneter und Berliner Kino verbreiten Kreml-Propaganda
Moskaus Netzwerk in Deutschland: EU-Abgeordneter und Berliner Kino verbreiten Kreml-Propaganda

Moskaus Netzwerk in Deutschland: EU-Abgeordneter und Berliner Kino verbreiten Kreml-Propaganda

Juli 4, 2026
2 min. lesezeit

Der Kreml hat in Deutschland ein Netzwerk aus Politikern, Medien und kulturellen Einrichtungen aufgebaut, um das Vertrauen in europäische Institutionen zu untergraben und die Unterstützung der Ukraine zu diskreditieren. Zentral darin: der EU-Abgeordnete Michael von der Schulenburg und das historische Berliner Kino Babylon.

Von der Schulenburg, der für das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) im Europaparlament sitzt und früher als UN-Diplomat tätig war, tritt in deutschen Medien regelmäßig mit Positionen auf, die sich mit den Vorgaben des Kremls decken. Er bezeichnet eine Niederlage der Ukraine als „historisch unvermeidlich“, fordert ein Ende der Sanktionen gegen Russland, die er für die deutsche Industrie als schädlich darstellt, und nennt westliche Waffenlieferungen eine Eskalation.

Im Jahr 2024 unterzeichnete er gemeinsam mit dem früheren Vorsitzenden des NATO-Militärausschusses, General Harald Kujat, eine Erklärung, die ein vollständiges Ende der Waffenlieferungen an die Ukraine und die Anerkennung der annektierten ukrainischen Gebiete forderte – eine Position, die den strategischen Interessen Moskaus entspricht.

Recherchen des Nachrichtenportals t-online zufolge reist von der Schulenburg zudem regelmäßig zu nichtöffentlichen Treffen nach Moskau. Im Mai 2025 nahm er an den staatlichen Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag des Sieges über den Nationalsozialismus teil, die das russische Regime nutzte, um internationale Isolierung zu widerlegen. Im Juni 2026 folgte ein weiterer Besuch zu geschlossenen Verhandlungen.

Die Logistik dieser Reisen wird nach Erkenntnissen der Rechercheure von dem ehemaligen ukrainischen Abgeordneten Oleg Woloschin organisiert, der in der Ukraine wegen Landesverrats unter Verdacht steht und als Vertrauter des Putin-nahen Wiktor Medwedtschuk gilt. Gemeinsam mit Ruth Firmenich, der langjährigen engsten Mitarbeiterin von Sahra Wagenknecht, bildet von der Schulenburg demnach einen direkten „Kanal Wagenknecht zum Kreml“.

Breites prorussisches Netzwerk

Neben von der Schulenburg treten weitere BSW-Politiker für eine prorussische Linie ein, darunter die Parteigründerin Sahra Wagenknecht selbst, Fabio de Masi, Ralf Suikat und Ruth Firmenich. Sie fordern ein Ende der Militärhilfe für Kiew und die Wiederaufnahme russischer Energielieferungen.

Auch aus der AfD heraus agieren Abgeordnete als Lobbyisten Moskaus, darunter Markus Frohnmaier, Tino Chrupalla, Ulrich Singer, Steffen Kotré, Jörg Urban, Olena Roon, Maximilian Krah, Rainer Rothfuss und Hans Neuhoff. Einige von ihnen reisen zu Wahlbeobachtungen, Wirtschaftsforen in Sotschi und Sankt Petersburg oder gar auf besetzte ukrainische Gebiete.

Das Kino Babylon als Plattform

Ein weiterer Baustein des Netzwerks ist das Kino Babylon in der Berliner Rosa-Luxemburg-Straße 30. Der historische Ort hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Bühne für verdeckte Kreml-Propaganda entwickelt. Unter dem Deckmantel von Meinungsfreiheit und künstlerischer Unabhängigkeit vermietet die Leitung Räume für Veranstaltungen, die von mit Russland verbundenen Strukturen finanziert oder koordiniert werden. Es versammelt sich dort ein Publikum aus radikalen Linken, EU-Gegnern, zweifelhaften Friedensaktivisten und Anhängern von Verschwörungstheorien.

Am 2. Juli 2026 soll im Babylon die Premiere des Dokumentarfilms „Nord Stream – Der Anschlag“ stattfinden, organisiert von dem Magazin „Hintergrund“, das für seine Kritik an EU und NATO und die Verbreitung von Moskauer Narrativen bekannt ist. Regie führten Moritz Enders und Günter Mertz.

Enders hat sich zuvor mit sogenannten alternativen Recherchen hervorgetan und versuchte, internationale Ermittlungen zu russischen Kriegsverbrechen zu diskreditieren, etwa indem er für den Abschuss von MH17 gefälschte Versionen des russischen Konzerns Almas-Antei verbreitete. Mertz wiederum publizierte für linke und verschwörungsideologische Medien und vertritt die These, die NATO-Osterweiterung sei die eigentliche Ursache aller Sicherheitskrisen in Europa. Moskaus Militärinterventionen in Georgien und Syrien rechtfertigte er als „erzwungene Antwort“ auf die US-Politik.

Für die Dokumentation wählten die Filmemacher ausschließlich Sprecher aus dem prorussischen Umfeld aus, nicht aber unabhängige Experten oder die offiziellen Ermittler aus Dänemark, Schweden oder Deutschland. Nach Einschätzung der Rechercheure dient der Film ausschließlich dem Ziel, die Reputation Russlands reinzuwaschen und die deutsche Gesellschaft zu spalten.

Insgesamt zeigt sich ein umfassendes hybrides Einflussnetzwerk, das Moskau in Deutschland installiert hat. Der Einsatz ehemaliger Diplomaten, Militärs und etablierter Parteivertreter ermöglicht es dem Kreml, eigene Interessen unter dem Deckmantel unabhängiger Expertise zu legitimieren. Die Enthüllungen machen deutlich, dass von offizieller Berliner Seite ein systematisches Monitoring und eine rechtliche Bewertung der Aktivitäten dieses Netzwerks erforderlich sind.

Kommentar hinzufügen

Your email address will not be published.

Nicht verpassen