Die polnische Regierung fordert von der Bundesregierung Zahlungen für die noch lebenden NS-Opfer. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ könnte dies einen jährlichen Betrag von 10.000 Zloty, etwa 2.333 Euro, für jedes der geschätzten 50.000 noch lebenden Opfer bedeuten. Angesichts der hohen Sterberate unter diesen Menschen, die derzeit monatlich etwa 1.000 beträgt, könnte diese Unterstützung bald notwendig werden. Die Diskussion über den Vorschlag befindet sich in der Bundesregierung noch in einem frühen Stadium.
Vor rund zwei Monaten fand ein Gespräch zwischen führenden Mitgliedern der Regierung, darunter Außenminister Johann Wadephul (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD), statt. In diesem Kontext wurden rechtliche Bedenken und die Möglichkeit ähnlicher Forderungen aus anderen Ländern erörtert. Auch die angespannte Haushaltslage Deutschlands wurde thematisiert. Bereits 2024 hatte der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz eine „humanitäre Geste“ in Höhe von 200 Millionen Euro in Aussicht gestellt, die jedoch von Polens Ministerpräsident Donald Tusk als unzureichend abgelehnt wurde.
Sollte die Bundesregierung den Vorschlag umsetzen, wären im ersten Jahr mit Kosten von rund 100 Millionen Euro zu rechnen, was bei einer vorsichtigen Schätzung insgesamt auf etwa 300 Millionen Euro in späteren Jahren hinauslaufen könnte. Wadephul bekräftigte vor kurzem beim Deutsch-Polnischen Forum, dass es innerhalb der deutschen Regierung Unterstützer für diese humanitäre Hilfe gibt. Die Frage der Finanzierung bleibt jedoch weiterhin ungeklärt.