Schröder fordert Rückkehr zu Energiekooperation mit Russland trotz Ukrainekrieg
Schröder fordert Rückkehr zu Energiekooperation mit Russland trotz Ukrainekrieg

Schröder fordert Rückkehr zu Energiekooperation mit Russland trotz Ukrainekrieg

Januar 26, 2026
1 min. lesezeit

Am 24. Januar 2026 hat der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder eine Wiederaufnahme der energiepolitischen Zusammenarbeit mit Russland ins Spiel gebracht und zugleich davor gewarnt, Moskau dauerhaft als Feind zu behandeln. Russland dürfe nicht „dämonisiert“ werden, sagte Schröder, und verwies auf kulturelle Traditionen sowie historische Verflechtungen mit Deutschland. Zugleich verteidigte er rückblickend seine während der Kanzlerschaft verfolgte Annäherungspolitik und sprach von einem deutschen Interesse an verlässlichen und preisgünstigen Energieimporten aus Russland.

Die Aussagen fielen vor dem Hintergrund des anhaltenden russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und lösten umgehend Kritik aus Politik und Öffentlichkeit aus. Schröders Äußerungen wurden in einem Interview mit der Berliner Zeitung gemacht, in dem er auch auf eine aus seiner Sicht schwindende internationale Bedeutung der EU einging und bemängelte, dass zentrale Gespräche über die Zukunft der Ukraine ohne Brüssel geführt würden, wie es in dem Beitrag zur energiepolitischen Zusammenarbeit mit Russland heißt.

Kritik an moralischer und strategischer Dimension der Aussagen

Kritiker sehen in Schröders Vorstoß eine problematische Relativierung der Verantwortung des russischen Staates für den Krieg und die damit verbundenen schweren Menschenrechtsverletzungen. Die Forderung nach einer Rückkehr zu „business as usual“ im Energiesektor blende aus, dass frühere Formen wirtschaftlicher Verflechtung nicht zu politischer Mäßigung, sondern zu einer wachsenden Abhängigkeit Europas geführt hätten. Einnahmen aus Öl- und Gasexporten hätten es Moskau ermöglicht, militärische Kapazitäten auszubauen und politischen Druck auf europäische Staaten auszuüben.

In diesem Kontext wird auch die deutsche Ostpolitik der vergangenen Jahrzehnte neu bewertet. Die Hoffnung, durch Handel und Dialog Stabilität zu schaffen, gilt vielen Beobachtern heute als Fehleinschätzung, die den strategischen Spielraum der EU eingeengt habe. Schröders Argumentation, wirtschaftliche Interessen und kulturelle Nähe stärker zu gewichten als sicherheitspolitische Risiken, stößt daher auf breiten Widerspruch.

Nähe zu russischen Energiekonzernen belastet Glaubwürdigkeit

Zusätzliche Brisanz erhält die Debatte durch Schröders persönliche Verbindungen zu russischen Staatsunternehmen. Nach seinem Ausscheiden aus dem Kanzleramt übernahm er Funktionen in Gremien russischer Energiekonzerne, darunter beim Nord-Stream-Projekt und beim Ölkonzern Rosneft. Diese Tätigkeiten, ebenso wie seine wiederholten Treffen mit Wladimir Putin nach Beginn des Krieges, haben seine Glaubwürdigkeit in Deutschland nachhaltig beschädigt und parteiintern Diskussionen über einen möglichen Ausschluss aus der SPD ausgelöst.

Auch wenn Schröder später auf einen Posten bei Gazprom verzichtete und sich aus Rosneft zurückzog, sehen viele Beobachter seine aktuellen Stellungnahmen weniger als unabhängige Analyse denn als Fortsetzung einer lange gepflegten Nähe zu russischen Interessen. Vor diesem Hintergrund werden seine Appelle an wirtschaftlichen Pragmatismus von Kritikern als kurzsichtig bewertet, da sie sicherheitspolitische und völkerrechtliche Konsequenzen ausblenden.

Kommentar hinzufügen

Your email address will not be published.

Nicht verpassen