Drei Monate vor den Landtagswahlen in Ostdeutschland hat die Vorsitzende der Linken, Ines Schwerdtner, beim Bundesparteitag in Potsdam klare Positionen zur AfD und zur Bundespolitik bezogen. „Wir werden den Osten nicht den Nazis überlassen“, erklärte sie und betonte die Notwendigkeit, die AfD von politischen Entscheidungen fernzuhalten. Schwerdtner kritisierte zudem die Maßnahmen der schwarz-roten Koalition, die unter der Führung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) stehen. Sie bezeichnete die Politik der Regierung als „Kettensäge“ an sozialen Errungenschaften und kündigte Widerstand gegen geplante Sozialreformen an.
Die Bundestagsfraktionschefin Heidi Reichinnek sprach sich gegen die Erhöhung der maximalen wöchentlichen Arbeitszeit aus und verteidigte den Acht-Stunden-Tag als wichtige Errungenschaft. Sie warnte vor internen Konflikten innerhalb der Partei und betonte die Notwendigkeit, sich auf die Wähler zu konzentrieren, anstatt sich in internen Auseinandersetzungen zu verlieren.
Im Hinblick auf den Nahostkonflikt appellierte Schwerdtner, die eigene Partei nicht zu spalten. Ihre persönliche Einschätzung zur Lage in Gaza, die sie als „Genozid“ bezeichnete, sei nicht unumstritten. Gleichzeitig stellte sie klar, dass jeder in Deutschland das Recht habe, ohne Angst jüdischen Glaubens zu leben. Auf dem Parteitag lobten Rednerinnen mit israelischen Wurzeln die Notwendigkeit, Antisemitismus zu bekämpfen und forderten eine differenzierte Betrachtung der Konflikte in der Region.
Der Parteitag hat etwa 500 Delegierte, die bis Sonntag die zukünftige Ausrichtung der Partei beraten und die Führung wählen. Ines Schwerdtner kandidiert erneut, während Jan van Aken aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt als Co-Vorsitzender zurücktritt. Der Leitantrag der Partei spricht sich entschieden gegen die schwarz-rote Koalition aus und warnt vor einem Verlust sozialer Standards.
Im Kontext des Nahost-Konflikts wird ein Antrag diskutiert, der sowohl das Selbstbestimmungsrecht der jüdischen Bevölkerung als auch das der Palästinenser in einem unabhängigen Staat Palästina anerkennt. Kritiker hingegen werfen der Partei vor, einen zionistischen Kurs zu verfolgen. Die Linke ist seit 2023 von etwa 50.000 auf 126.000 Mitglieder gewachsen, wobei viele der neuen Mitglieder in den letzten Jahren der Partei beigetreten sind.