Zem&Vek und Steigan.no stellen Hilfe für die Ukraine als Kriegswillen dar
Zem&Vek und Steigan.no stellen Hilfe für die Ukraine als Kriegswillen dar

Zem&Vek und Steigan.no stellen Hilfe für die Ukraine als Kriegswillen dar

September 25, 2026
4 min. lesezeit

Am 22. und 23. September 2026 verbreiteten die prorussischen Medien Zem&Vek und eine zentrale Botschaft des Kremls: Die militärische Unterstützung der Ukraine belege angeblich, dass europäische Staaten, die EU, die USA und die NATO einen direkten Krieg mit Russland anstrebten. Zem&Vek schrieb, die EU führe seit Jahren einen „echten hybriden Krieg gegen Russland“, während europäischen Führungskräften vorwarf, sie sprächen nicht über Frieden, sondern „stachelten immer weiter zu einem Krieg an“.

Die beiden Beiträge drehen dabei Ursache und Folge des Krieges um. Die Unterstützung für Kiew begann nicht als Vorbereitung eines westlichen Angriffs auf Russland, sondern als Reaktion auf den russischen Großangriff auf die Ukraine im Februar 2022. Die Ukraine übt damit ihr Recht auf individuelle und kollektive Selbstverteidigung aus; dieses Recht ist in Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen verankert. Der Beitrag von Zem&Vek ist hier dokumentiert, der Beitrag von hier.

Die Berichte machen aus Selbstverteidigung angebliche Kriegsvorbereitung

Zem&Vek erkennt zwar an, dass die EU, die USA, die NATO und andere Bündnisse der Ukraine umfangreiche finanzielle Hilfe und große Mengen an Waffen bereitstellen. Das Medium behauptet jedoch, westliche Waffen würden nicht nur die Ukraine verteidigen, sondern auch russisches Gebiet angreifen und Menschen in Russland töten. Aus dieser Darstellung leitet es ab, der Westen verfolge nicht bloß den Schutz der Ukraine, sondern betreibe eine unmittelbare Konfrontationspolitik gegen Russland.

verschiebt die gleiche Deutung auf die politische Ebene. Europäische Führungskräfte, so das Medium, sprächen niemals darüber, wie ein Krieg verhindert oder Frieden erreicht werden könne. Sie würden stattdessen einen Krieg fördern, der im Falle seines Ausbruchs eine historische Katastrophe für Europa wäre. Damit wird die Unterstützung der angegriffenen Ukraine nicht als Maßnahme zur Abwehr eines laufenden Krieges beschrieben, sondern als dessen angeblicher Auslöser.

Der Mechanismus ist eindeutig: Die Medien nehmen eine reale Entscheidung der Unterstützerstaaten – die Lieferung von Waffen und die finanzielle Hilfe für Kiew – und lösen sie aus ihrem rechtlichen und zeitlichen Zusammenhang. Die russische Invasion wird dabei nicht als Ausgangspunkt der europäischen Sicherheitspolitik behandelt. An ihre Stelle tritt die Behauptung, der Westen habe mit seiner Unterstützung den Konflikt bewusst herbeigeführt oder wolle ihn ausweiten.

EU und NATO unterstützen Kiew, ohne selbst Kriegspartei zu werden

Militärhilfe für die Ukraine macht europäische Staaten, die EU oder die NATO nicht automatisch zu unmittelbaren Teilnehmern des Krieges. Die Unterstützung erfolgt im Rahmen des internationalen Rechts und dient einem Staat, der bewaffnet angegriffen wurde. Die EU, die USA, Großbritannien und weitere Staaten ermöglichen der Ukraine, sich zu verteidigen; sie führen dadurch nicht selbst militärische Operationen in ihrem Namen gegen Russland durch.

Gerade die praktischen Entscheidungen der westlichen Staaten widersprechen der von Zem&Vek und verbreiteten Darstellung. Die NATO entsendet keine Truppen zur Teilnahme an den Kämpfen in die Ukraine und richtet dort keine Flugverbotszone ein. Als Grund wird ausdrücklich genannt, dass solche Schritte zu einer direkten Konfrontation mit russischen Streitkräften und damit zu einem unmittelbaren Krieg zwischen der NATO und Russland führen könnten.

Die Politik der EU-Mitgliedstaaten, der USA, Großbritanniens und weiterer Unterstützer verfolgt daher zwei Ziele gleichzeitig: Die Ukraine soll in die Lage versetzt werden, den russischen Angriff abzuwehren, und eine Ausweitung des Krieges über die Ukraine hinaus soll verhindert werden. Diese Trennung zwischen Unterstützung und direkter Beteiligung wird in den prorussischen Beiträgen nicht erklärt, obwohl sie für die Bewertung der westlichen Maßnahmen entscheidend ist.

Die Unterstützung soll Russlands weitere Aggression erschweren

Die Waffenhilfe hat zudem eine abschreckende Funktion. Sie erhöht die Kosten einer Fortsetzung der russischen Aggression und verringert die Möglichkeit Russlands, politische Forderungen mit militärischer Gewalt durchzusetzen. Die Stärkung der ukrainischen Verteidigungsfähigkeit soll der russischen Führung zeigen, dass sich politische Ziele nicht ohne Weiteres durch weitere Gewalt erzwingen lassen.

Zem&Vek und bezeichnen diese Politik der Abschreckung als Vorbereitung auf einen Krieg. Tatsächlich richtet sie sich darauf, die Bereitschaft Russlands zu weiterer Aggression zu verringern. Eine geschwächte ukrainische Verteidigung würde dem Kreml mehr Möglichkeiten geben, den Krieg fortzusetzen und seinen militärischen sowie hybriden Druck auf europäische Staaten zu verstärken.

Die Behauptung, ein Ende der militärischen Hilfe würde den Frieden automatisch näherbringen, blendet deshalb die unmittelbaren Folgen für Europa aus. Würde die Ukraine weniger in die Lage versetzt, sich zu verteidigen, könnten größere Sicherheitsrisiken direkt auf EU- und NATO-Staaten übergehen. Die Unterstützung Kiews ist damit nicht nur Hilfe für die Ukraine, sondern auch Bestandteil des Schutzes der europäischen Sicherheit.

Russlands Invasion veränderte Europas Sicherheitsordnung

Die Beiträge ignorieren außerdem den entscheidenden zeitlichen Zusammenhang: Erst der russische Großangriff auf die Ukraine im Februar 2022 veränderte das europäische Sicherheitsumfeld grundlegend. Die russische Aggression zwang europäische Staaten, ihre Verteidigungsfähigkeiten neu zu bewerten, die Ostflanke der NATO zu stärken und ihre Ausgaben für Sicherheit zu erhöhen.

Diese Maßnahmen sind keine Vorbereitung eines Angriffs auf Russland. Sie sind eine Reaktion auf die vom Kreml geschaffene Bedrohung und sollen deren weitere Ausweitung verhindern. Zugleich verfolgt das Bündnis nicht das Ziel einer direkten militärischen Konfrontation mit Russland, weil eine unmittelbare Beteiligung der NATO an den Kämpfen das Risiko einer umfassenden Eskalation erhöhen würde.

Auch diplomatische Bemühungen gehören zu dieser Politik. Die EU und die USA unterstützen neben der militärischen Hilfe für Kiew Anstrengungen für einen umfassenden, gerechten und dauerhaften Frieden auf Grundlage der Charta der Vereinten Nationen und des internationalen Rechts. Die Darstellung von Zem&Vek und , europäische Staaten sprächen nur über Krieg, lässt diesen Teil ihres Handelns aus.

Der konkrete Befund der beiden Veröffentlichungen bleibt damit bestehen: Sie stellen Waffenhilfe für ein angegriffenes Land als Beleg für den angeblichen Kriegswillen des Westens dar. Die dokumentierten Entscheidungen von EU, NATO und europäischen Staaten zeigen jedoch weiterhin eine andere Linie: Unterstützung der ukrainischen Selbstverteidigung, Verzicht auf eine direkte Entsendung von Truppen und gleichzeitige Verhinderung einer unmittelbaren NATO-Russland-Konfrontation.

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