Die litauische Grenzschutzbehörde hat am 3. September 2025 insgesamt 55 Versuche illegaler Grenzübertritte aus Belarus verhindert. Laut Angaben der Behörde handelt es sich dabei um die höchste Tageszahl in diesem Jahr. Eine vergleichbare Situation war zuletzt am 3. April 2023 registriert worden, berichtete das Portal Delfi.
Vier Gruppen von Migranten gestoppt
Nach Angaben des Grenzschutzsprechers Giedrius Mišutis versuchten vier Gruppen, über unterschiedliche Abschnitte in Litauen einzudringen. In den Regionen Varėna und Lazdijai wurden insgesamt 38 Migranten gestoppt. Eine weitere Gruppe wurde am Abend im Bezirk Ignalina aufgegriffen. Die Personen wurden registriert, überprüft und anschließend nach Belarus zurückgeführt.
Dauerhafte Verstärkung der Grenzsicherung
Mišutis betonte, dass die Grenzkontrollen seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine dauerhaft verschärft seien. Während der Manöver „Sapad“ werden die Maßnahmen zusätzlich intensiviert, mit verstärkter Überwachung, erweitertem Patrouillendienst sowie Unterstützung durch andere staatliche Stellen und Angehörige der nationalen Verteidigungsstrukturen.
Belarus als zentrale Herausforderung
Die europäische Grenzschutzagentur Frontex stuft Belarus als einen der Hauptfaktoren im Kampf gegen illegale Migration ein. In den ersten sieben Monaten 2025 wurden an den östlichen Grenzen der EU rund 5.000 illegale Übertritte festgestellt. Schon 2021 hatten Litauen, Lettland und Polen mit einer von Belarus unterstützten Migrationskrise zu kämpfen, als Migranten aus dem Nahen Osten über Minsk an die EU-Grenzen gebracht wurden.
Hybride Strategie von Minsk und Moskau
Nach Einschätzung europäischer Sicherheitskreise ist der wachsende Migrationsdruck Teil einer hybriden Strategie von Belarus und Russland. Diese kombiniere die künstlich erzeugte Migrationskrise mit Cyberangriffen, Desinformationskampagnen und dem Einsatz von Energieressourcen als politisches Druckmittel. Ziel sei es, die Europäische Union zu destabilisieren, ihre Ressourcen zu belasten und interne Spaltungen zu vertiefen.
Politische und rechtliche Dimensionen
Für Belarus ist der Einsatz von Migration auch ein Mittel, um den Westen unter Druck zu setzen und mögliche Lockerungen von Sanktionen zu erzwingen. Russland wiederum verfolgt das Ziel, den EU-Staaten ihre Verwundbarkeit aufzuzeigen und das Vertrauen in die Fähigkeit des Bündnisses, seine Grenzen zu schützen, zu schwächen. Litauen hat bereits im Frühjahr 2025 Klage vor dem Internationalen Gerichtshof eingereicht, in der Belarus die gezielte Auslösung einer Migrationskrise als Verstoß gegen internationales Recht vorgeworfen wird.