Kommunen im Ruhrgebiet verlangen von Unternehmen nach einer Auswertung des Bundes der Steuerzahler teils die höchsten Gewerbesteuersätze in Deutschland. Oberhausen und Mülheim an der Ruhr liegen in dem Vergleich von 200 Städten mit mindestens 50.000 Einwohnern mit jeweils 580 Prozent vorn.
Auf den weiteren Rängen folgen Erftstadt mit 565 Prozent, Kerpen mit 550 Prozent und Bonn mit 537 Prozent. Damit liegen die fünf Spitzenreiter alle in Nordrhein-Westfalen. Leverkusen weist mit 280 Prozent den niedrigsten Satz unter den untersuchten Kommunen auf.
Der durchschnittliche Hebesatz der 200 Städte liegt inzwischen bei mehr als 447 Prozent, nach rund 445 Prozent im Vorjahr. 19 Kommunen hoben ihre Sätze gegenüber dem Vorjahr an, nur Essen senkte sie um einen Prozentpunkt auf 479 Prozent.
Den stärksten Anstieg verzeichnete Kerpen mit 50 Prozentpunkten. Dahinter folgen Baden-Baden mit 45 Prozentpunkten und Marburg mit 40 Prozentpunkten.
Der Bund der Steuerzahler warnt vor einer fiskalischen Negativspirale. „Was kurzfristig Haushaltslöcher stopfen soll, droht langfristig die Basis zu zerstören“, heißt es vom Verband. „Denn je höher die Gewerbesteuer, desto unattraktiver wird der Standort – erst im innerdeutschen Wettbewerb, dann im internationalen Vergleich.“
Kommunen verweisen nach Darstellung des Berichts auf steigende Pflichtausgaben und eine angespannte Haushaltslage. In Oberhausen teilte die Kämmerei mit: „Der Hebesatz resultiert aus der dramatischen Haushaltslage.“ Der Deutsche Städtetag beschreibt Steuererhöhungen laut Hauptgeschäftsführer Christian Schuchardt „in der Regel“ als Folge großer Not.
Bund und Länder einigten sich im Juni 2026 auf eine Reform nach dem Grundsatz „Wer bestellt, bezahlt“. Das Kabinett beschloss zudem ein Gesetz, das Länder und Kommunen bis 2029 um eine Milliarde Euro pro Jahr entlasten soll. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund nannte das „einen Tropfen auf den heißen Stein“.
Nach Angaben des Berichts lag das kommunale Finanzierungsdefizit 2025 bei 31,9 Milliarden Euro.
