Die Nachfrage nach gebrauchten Produkten hat in Deutschland stark zugenommen. Zwei Drittel der Bevölkerung haben inzwischen Second-Hand-Waren erworben. Der Handel mit gebrauchter Kleidung ist dabei besonders bemerkenswert, mit einem Umsatz von etwa 6,8 Milliarden Euro im Jahr 2025. Diese Entwicklung ist nicht nur dem Sparen geschuldet, sondern auch wachsendem Bewusstsein für Nachhaltigkeit.
In einem Beispiel aus München wird in einem Designer-Vintage-Laden eine Damen-Winterjacke zum Preis von 380 Euro angeboten, während der Neupreis bei über 2.000 Euro lag. Ein Umdenken hat stattgefunden: Früher galt, dass Käufer von Second Hand oft finanziell eingeschränkt waren. Heute werden gebrauchte Artikel oftmals als stilbewusste Alternativen wahrgenommen.
Digitale Plattformen wie Momox haben dem Recommerce, dem Handel mit gebrauchten Produkten, ein modernes Image verliehen. Hierbei handelt es sich um den Online-Verkauf von getragenen Kleidungsstücken, bei dem Kunden nicht mehr gewollte Kleidungsstücke zum Verkauf anbieten können. Qualität und Zustand sind entscheidend für den Weiterverkauf, was durch strenge Prüfungsprozesse gewährleistet wird.
Laut einer Civey-Umfrage sind 64 Prozent der Käufer motiviert, Geld zu sparen, während für 49 Prozent Nachhaltigkeit eine Rolle spielt. Vor allem bei Modeartikeln zeigt sich eine hohe Akzeptanz für Gebrauchtes. Der Zugang zu diesen Artikeln wird durch regelmäßige Rückgaberechte und erleichterte Retouren weiter gefördert.
Ein weiterer Wachstumsmarkt ist die elektronische Second-Hand-Ware. Über 35 Prozent der Deutschen haben bereits ein gebrauchtes Smartphone gekauft. Plattformen wie Rebuy bieten generalüberholte Geräte an, die durch intensive Qualitätsprüfungen aufbereitet werden. Diese Produkte sind meist 20 bis 30 Prozent günstiger als Neuware.
Ein leicht gestiegenes Interesse an gebrauchten Elektronikartikeln ist seit der Einführung einer EU-Verordnung zu beobachten, die die Hersteller verpflichtet, die Lebensdauer von Produkten zu verlängern. Prognosen deuten darauf hin, dass der Refurbished-Markt in den kommenden Jahren um bis zu 14 Prozent jährlich wachsen wird.
Das kontinuierliche Interesse an Second-Hand-Produkten zeigt, dass wirtschaftliche Überlegungen und ein wachsendes Umweltbewusstsein zusammenwirken. Die Entwicklung wird auch für die Zukunft des Einzelhandels von Bedeutung sein, da sich immer mehr Konsumenten für nachhaltige Kaufentscheidungen entscheiden.