In den Niederlanden werden jährlich rund 700.000 Kälber aus Deutschland exportiert, um dort unter Bedingungen zu masten, die in Deutschland als tierschutzwidrig gelten. Dies resultiert in einem jährlichen Import von etwa 850.000 Kälbern in den deutschen Markt. Die Recherchen des ARD-Wirtschaftsmagazins Plusminus zeigen, dass die deutsche Fleischindustrie so strengere nationale Standards umgeht und in den Niederlanden kostengünstiger produzieren kann.
Die Kälbermast führt zu einem Rückgang der Kälberhaltungsbetriebe in Deutschland. Viele Landwirte sind aufgrund der ungerechten Konkurrenzsituation nicht mehr wettbewerbsfähig. Dies hat spürbare Auswirkungen auf die hiesige Landwirtschaft und die Einhaltung von Tierschutzstandards.
Die Haltung in den niederländischen Betrieben entspricht häufig nicht den deutschen Vorgaben. Kälber leben dort unter Bedingungen, die in Deutschland seit Ende 2023 untersagt sind, beispielsweise auf Betonspaltenböden ohne adäquate Einstreu. Der Fokus der niederländischen Massehaltung liegt auf der Erzeugung von „weißem“ Kalbfleisch, was zu einer nährstoffarmen und antibiotikareichen Fütterung der Tiere führt.
Die EU bietet zwar grundsätzliche Standards für die Tierhaltung, lässt jedoch viel Spielraum für nationale Umsetzungen. Die niederländischen Vorschriften fallen oft hinter die deutschen Standards zurück, was juristische und ethische Fragen aufwirft. Verbraucher in Deutschland müssen sich der Tatsache bewusst sein, dass die Fleischqualität aus niederländischer Produktion auf Kosten des Tierwohls geht.
Neben gesundheitlichen Bedenken im Hinblick auf die Antibiotikaresistenz kritisieren Landwirte die fehlende Kontrolle über die Mastbedingungen im Nachbarland. Experten fordern ein einheitlicheres Regelwerk auf EU-Ebene, um faire Wettbewerbsbedingungen für alle Produzenten zu schaffen.