Immer mehr Arzneimittelproduktion verlagert sich ins Ausland

Immer mehr Arzneimittelproduktion verlagert sich ins Ausland

März 15, 2026
1 min. lesezeit

Medikamentenengpässe in deutschen Apotheken und Kliniken haben sich in den letzten Jahren verstärkt. Zahlreiche Hersteller verlagern ihre Produktion zunehmend ins Ausland, was die Situation verschärft. Laut Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte sind aktuell über 550 Lieferengpässe dokumentiert.

In der Kölner Klinik Holweide fehlen wichtige Antibiotika, wie Chefärztin Frauke Mattner berichtet. Ein alternatives Desinfektionsmittel war erst seit Kurzem wieder verfügbar. Die ständige Suche nach Ersatzbelieferungen belastet die Abläufe erheblich und wirkt sich negativ auf das Personal aus.

Besonders auffällig waren Engpässe bei fiebersenkenden Mitteln für Kinder. Vor rund drei Jahren stiegen die Probleme in der Öffentlichkeit, als Fiebersaft Mangelware wurde. Damals führten Änderungen bei Rabattverträgen zwischen Krankenkassen und Herstellern zu einer Erleichterung der Versorgung, jedoch gibt es derzeit keine Lösung in Sicht, die die jüngsten Entwicklungen abmildert.

Generika, die zentrale Elemente der medizinischen Versorgung darstellen, werden zunehmend von ausländischen Produzenten bezogen. Laut dem Branchenverband Pro Generika entfielen im Jahr 2024 rund 80 Prozent aller verordneten Tagestherapiedosen in Deutschland auf diese Medikamente, welche jedoch nur etwa 6,9 Prozent der gesamten Arzneimittelausgaben ausmachen.

Ab 2025 könnte eine neue EU-Abwasserrichtlinie für weitere Kostensteigerungen bei der Produktion von Generika führen. Diese Regelung verpflichtet Pharma- und Kosmetikunternehmen, Kosten zur Verbesserung der Wasserqualität zu tragen, was den enormen Kostendruck auf die Hersteller erhöhen könnte. Josip Meštrović, Deutschlandchef von Zentiva, betont, dass Preiserhöhungen nicht einfach an die Kunden weitergegeben werden dürfen.

Die dauerhafte Verlagerung der Medikamentenproduktion außerhalb der EU wird von Fachleuten als strukturelles Problem betrachtet. Der Generikahersteller Sandoz hat aufgrund neuer Anforderungen seine Produktion für ein Asthmaspray eingestellt, da die notwendigen Investitionen unter den bestehenden Preisregulierungen wirtschaftlich nicht tragfähig wären.

Die Verlagerung der Produktion zeigt sich auch in den Statistiken: Der Anteil der generischen Wirkstoff-Produktion in der EU ist seit 2000 von 59 auf 33 Prozent gesunken. Laut Professor David Francas von der Hochschule Worms ist dies Teil eines Trends, der seit zwei Jahrzehnten zu beobachten ist, und führt zu einem klaren Verlust an Produktionsstandorten in Europa.

Die Problematik wird weiter verstärkt durch den Konflikt zwischen steigenden Umwelt- und Gesundheitsstandards und dem Bedürfnis, die Arzneimittelproduktion wieder vermehrt in Europa anzusiedeln. Francas unterstreicht die Notwendigkeit einer klaren Gesamtstrategie, um diese Zielkonflikte zu bewältigen. Ohne solche politischen Entscheidungen wird die Abwanderung wichtiger Medikamente aus Europa wahrscheinlich weitergehen.

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