Das Fracking, eine kontroverse Methode zur Erschließung von Erdgas, ist in Deutschland seit 2017 gesetzlich verboten. Angesichts der anhaltenden Energiekrise und der Reform des Gebäudeenergiegesetzes diskutieren Experten, ob die Nutzung heimischer Erdgasvorkommen durch Fracking notwendig sein könnte. Der Geophysiker Hans-Joachim Kümpel sieht in den vorhandenen Schiefergasvorkommen ein erhebliches Potenzial zur Reduktion der Abhängigkeit von importierten Energieträgern.
Laut Kümpel könnten etwa 25 Prozent des deutschen jährlichen Erdgasbedarfs über heimisches Schiefergas gedeckt werden. Die bedeutendsten Vorkommen befinden sich in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Der Geophysiker kritisiert die politischen Entscheidungen, die eine sachliche Debatte über diese Möglichkeiten beeinträchtigt hätten.
Befürworter argumentieren, dass die Förderung der heimischen Ressourcen mit deutlich geringeren Umweltauswirkungen verbunden sein könnte als der Import von LNG-Gas, das einen hohen Energieaufwand für den Transport erfordert. Studien zeigten, dass die Umstellung auf heimisches Gas potenziell zehn Millionen Tonnen CO2-Emissionen im Jahr einsparen könnte. Kümpel wies darauf hin, dass beim Fracking nur Chemikalien eingesetzt werden, die als unbedenklich gelten, und dass das Grundwasser in ausreichender Tiefe nicht gefährdet sei.
Gegner des Frackings, darunter Umweltschutzorganisationen wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH), weisen hingegen auf potenzielle Risiken für das Grundwasser hin und fordern einen verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien anstelle fossiler Brennstoffe. Das Umweltbundesamt unterstützt diese Position, da Gutachten ergeben hätten, dass Fracking durchaus Verunreinigungen des Grundwassers zur Folge haben könnte.
Die Diskussion um die Nutzung von Fracking in Deutschland ist Teil eines größeren Kontextes, in dem die Abhängigkeit von ausländischem Gas, insbesondere aus den USA, stark gestiegen ist. Vor dem Ukraine-Konflikt betrug der Anteil von US-Gas an den europäischen Importen etwa fünf Prozent, mittlerweile liegt er bei 27 Prozent. Kritiker warnen vor einer zu hohen Abhängigkeit, was die Notwendigkeit betont, alternative Energiequellen zu erschließen und die Versorgungssicherheit zu erhöhen.
Insgesamt bleibt die Thematik um Fracking in Deutschland komplex und polarisiert, wobei sich die Positionen deutlich zwischen Befürwortern und Gegnern unterscheiden.