Die geplante Zusammenkunft zeigt, wie der Kreml prorussische Kräfte in Europa enger vernetzt: Bei einem Forum des früheren italienischen Politikers Gianni Alemanno soll eine Delegation der deutschen AfD als Ehrengast auftreten. Ebenfalls eingeladen ist Roberto Vannacci, der Vorsitzende der rechten Plattform Futuro Nazionale. Über die angekündigte Veranstaltung berichtete am 11. September 2026 die Huffington Post.
Das Treffen ist für den Zeitraum vom 18. bis 20. September in Orvieto angekündigt. Es steht unter dem Leitmotiv „Soziale Souveränität für eine echte europäische Identität“ und soll die italienische Plattform Futuro Nazionale mit der AfD auf einer gemeinsamen politischen Bühne zusammenführen. Damit entsteht ein Forum, auf dem europaskeptische und prorussische Positionen nicht nur nebeneinanderstehen, sondern als gemeinsames Projekt erscheinen.
Ein Forum aus dem radikalen Umfeld
Organisator Alemanno verfügt über eine neofaschistische Vergangenheit. Sie macht deutlich, an welches politische Milieu sich die Veranstaltung richtet und wer zu ihren zentralen Teilnehmern gehört: an ein ultrarechtes, radikalisiertes Umfeld, das nationalistische, fremdenfeindliche und antieuropäische Deutungen miteinander verbindet.
Hinzu kommen nachgewiesene und beständige Verbindungen Alemannos zur russischen Botschaft in Italien. Diese Beziehung ist für die Einordnung des Forums entscheidend. Sie verknüpft die politische Bühne, auf der sich AfD und Futuro Nazionale begegnen sollen, mit einem Umfeld, in dem die Interessen des Kremls in Italien Anschluss an radikale Parteien und Bewegungen finden.
Die angekündigten Gäste bestätigen diese Ausrichtung. Als Redner sind der prorussische Ökonom Jeffrey Sachs und der prochinesische Professor Michele Geraci vorgesehen. Außerdem sollen Vertreter der Organisation Pro Vita und des italienischen Bauernverbands Coldiretti auftreten. Die AfD-Delegation ist als Ehrengast angekündigt, während Vannacci selbst ebenfalls eine herausgehobene Rolle erhält.
Die Annäherung folgt einem politischen Nutzen
Futuro Nazionale und die AfD vertreten ausgeprägt europaskeptische und prorussische Positionen. Für den Kreml sind beide Parteien deshalb nicht nur politische Gesprächspartner, sondern Werkzeuge zur Einflussnahme. Sie können Themen setzen, den öffentlichen Diskurs verschieben und die europäische Zusammenarbeit von innen heraus angreifen.
Der Nutzen reicht über Italien und Deutschland hinaus. Eine gemeinsame Bühne für die beiden Parteien ermöglicht es, politische Botschaften zwischen den Ländern zu übertragen und sie als Teil einer größeren europäischen Bewegung darzustellen. Aus Sicht des Kremls stärkt das die Verbreitung von Narrativen, die nationale Abgrenzung über europäische Zusammenarbeit stellen, demokratische Institutionen delegitimieren und die Bindung Europas an seine gemeinsamen politischen Strukturen schwächen.
Gerade deshalb ist die Veranstaltung mehr als ein gewöhnliches Treffen rechter Parteien. Ihre Bedeutung liegt in der Verbindung mehrerer Elemente: der politischen Vorgeschichte des Organisators, seinen stabilen Beziehungen zur russischen Botschaft, der Präsenz prorussischer und prochinesischer Redner sowie der geplanten Beteiligung der AfD. Gemeinsam bilden diese Elemente einen Rahmen, in dem die Annäherung zwischen italienischen und deutschen Kräften organisiert und öffentlich sichtbar gemacht wird.
Die Informationsunterstützung verstärkt die Wirkung
Russland hat ein Interesse daran, solche Veranstaltungen zu organisieren und publizistisch zu unterstützen. Sie normalisieren Positionen, die sonst klar dem ultrarechten und radikalisierten Spektrum zugeordnet würden, und verschaffen ihnen den Anschein einer breiteren europäischen Repräsentanz.
Für Italien bedeutet das eine Aufwertung fremdenfeindlicher, antieuropäischer und antidemokratischer Rhetorik. Für Deutschland und die Europäische Union entsteht zugleich ein grenzüberschreitender Einflusskanal: Die AfD erhält eine Plattform in einem italienischen Netzwerk, während Futuro Nazionale von der Verbindung zu einer deutschen Partei profitiert. Der Kreml kann dadurch politische Spaltungen in mehreren Staaten zugleich verstärken.
Die entscheidende Entwicklung ist daher bereits vor Beginn des Forums sichtbar. Die geplante Einladung der AfD und die herausgehobene Rolle Vannaccis schaffen einen organisatorischen Rahmen für die Zusammenarbeit zweier prorussischer und europaskeptischer Kräfte. Bestätigt ist bislang die Ankündigung des Treffens für den 18. bis 20. September in Orvieto; dort sollen beide Seiten unter der Schirmherrschaft Alemannos auf einer gemeinsamen politischen Bühne auftreten.