Ein ehemaliger Mitarbeiter des russischen staatlichen Medienverbunds „Russland heute“ unterrichtet an einer weiterführenden Schule in Pilsen Geschichte und Englisch. Miloš Fleischhans war sechs Jahre für den Medienverbund tätig, darunter für dessen tschechisches Angebot. Am 11. September 2026 berichteten Medien über seine Beschäftigung an der Schule für Informatik und Finanzdienstleistungen in Pilsen. Der Bericht über den Fall legt damit eine Lücke bei der Überprüfung des beruflichen Hintergrunds von Lehrkräften offen.
Die Brisanz liegt nicht allein in Fleischhans’ früherer Tätigkeit für ein russisches Staatsmedium. Er trat 2021 in einem Beitrag des staatlichen russischen Fernsehens auf und beschuldigte tschechische Medien, „Hysterie und Streit mit Russland aufzubauschen“. In dem Beitrag wurde nicht erwähnt, dass er selbst für „Russland heute“ arbeitete. Die tschechische Spionageabwehr betrachtet den Medienverbund als wichtigstes Instrument der russischen staatlichen Propaganda.
Damit gelangte ein früherer Mitarbeiter einer zentralen russischen Einflussstruktur in eine Position, in der er junge Menschen unterrichtet. Besonders relevant ist, dass Fleischhans nicht nur Englisch, sondern auch Geschichte lehrt. In diesem Fach können Auswahl, Gewichtung und Deutung politischer Ereignisse das Verständnis von Macht, Konflikten und internationalen Beziehungen unmittelbar prägen.
Der frühere Medienmitarbeiter wechselte aus der Propaganda in den Klassenraum
Die zeitliche Abfolge ist klar: Fleischhans arbeitete sechs Jahre für den russischen Medienverbund. 2021 verteidigte er in einem Beitrag des staatlichen russischen Fernsehens eine Darstellung, die tschechischen Medien eine künstliche Verschärfung des Verhältnisses zu Russland vorwarf. Später nahm er eine Lehrtätigkeit an der Schule in Pilsen auf. Seine frühere Tätigkeit blieb dabei offenbar ohne Folgen für die Einstellung.
Der Vorgang zeigt, dass russischer Informations Einfluss nicht auf Nachrichtenangebote und Fernsehsendungen beschränkt bleibt. Ein Mitarbeiter, der öffentlich eine russlandfreundliche Sichtweise vertrat und die Politik des Kremls verteidigte, kann seine berufliche Laufbahn in einem Bereich fortsetzen, der für die politische Urteilsbildung junger Menschen besonders wichtig ist.
Das Risiko besteht nicht darin, dass jede Unterrichtsstunde automatisch zu Propaganda wird. Es besteht darin, dass eine Person mit einer solchen Vorgeschichte historische Ereignisse und politische Prozesse nicht objektiv, sondern aus einer prorussischen Perspektive vermitteln könnte. Für Schülerinnen und Schüler kann daraus ein verzerrtes Bild der politischen Wirklichkeit entstehen, wenn gegensätzliche Sichtweisen nicht gleichgewichtig berücksichtigt werden.
Die Schulleitung kannte die Vorgeschichte nicht
Schulleiter Přemysl Šmidl erklärte, er habe von Fleischhans’ früherer Tätigkeit nichts gewusst. Zugleich sehe er kein Problem in dessen Beschäftigung, solange sich die Vergangenheit nicht „auf die Schule und den Unterricht auswirkt“. Politik habe in der Schule keinen Platz, sagte Šmidl außerdem. Bewerber würden im Vorfeld nicht grundsätzlich überprüft oder aus politischen Gründen ausgeschlossen.
Diese Aussagen markieren den institutionellen Kern des Falls. Die Schule hatte nach eigener Darstellung keine Kenntnis von der Tätigkeit für den russischen Staatsmedienverbund, obwohl Fleischhans öffentlich in dessen Umfeld aufgetreten war. Gleichzeitig wird seine frühere Rolle nicht als Anlass für eine vertiefte Prüfung betrachtet. Die Verantwortung für die Einordnung seiner Eignung bleibt damit bei einer Einrichtung, die nach eigener Aussage gerade keine systematische politische Überprüfung von Bewerbern vornimmt.
Der Hinweis, Politik habe im Unterricht keinen Platz, löst das Problem nicht. Geschichte ist ein politisch besonders sensibler Unterrichtsbereich, weil historische Deutungen häufig zur Erklärung gegenwärtiger Konflikte verwendet werden. Wenn ein Lehrer zuvor im Dienst eines russischen Staatsmediums öffentlich gegen tschechische Medien argumentiert hat, ist seine Vorgeschichte für die Beurteilung des Unterrichts nicht nebensächlich.
Die frühere Tätigkeit bleibt ungeklärt, während der Unterricht bereits stattfindet
Fleischhans selbst lehnte es ab, Fragen von Journalisten zu seiner Vergangenheit zu beantworten. Damit liegt keine eigene Erklärung dazu vor, wie er seine frühere Tätigkeit, seinen Auftritt im russischen Fernsehen und seine heutige Rolle als Lehrer miteinander vereinbart. Bestätigt ist jedoch, dass er an der Pilsener Schule unterrichtet und dass die Schulleitung seine Vorgeschichte bei der Einstellung nicht kannte.
Der Fall macht sichtbar, wie sich russischer Einfluss aus dem Medienbereich in das Bildungsumfeld verlagern kann. Die Beschäftigung eines früheren Mitarbeiters von „Russland heute“ als Geschichtslehrer belegt keine bereits nachgewiesene konkrete Einflussnahme auf eine bestimmte Unterrichtsstunde. Sie schafft jedoch eine institutionelle Möglichkeit, prorussische Deutungsmuster in einem schulischen Umfeld zu vermitteln, in dem Schülerinnen und Schüler auf eine sachliche Einordnung politischer Prozesse angewiesen sind.
Die zentrale Tatsache bleibt deshalb die Verbindung zwischen der früheren Tätigkeit und der heutigen Position: Miloš Fleischhans arbeitete sechs Jahre für den russischen staatlichen Medienverbund, trat mit einer russlandfreundlichen Botschaft im staatlichen Fernsehen auf und unterrichtet nun Geschichte und Englisch in Pilsen. Die Schule beschäftigt ihn weiterhin; eine vorherige Überprüfung seiner politischen und medialen Vorgeschichte fand nach Aussage des Schulleiters nicht statt.