Das libysche Verteidigungsministerium weist zurück, dass die Militärbasis in Misrata der Ukraine als Ausgangspunkt für Drohnenangriffe auf russische Schiffe im Mittelmeer diente. Damit widerspricht Tripolis einem Bericht von CNN, wonach ukrainische Drohnenbediener seit Ende 2025 im Nordwesten Libyens stationiert seien und die internationale Militärbasis für Operationen gegen Schiffe der russischen Schattenflotte genutzt werde.
Das Ministerium nannte die Ukraine in seiner Erklärung nicht ausdrücklich. Es erklärte jedoch, die libyschen Behörden hätten die Angaben zur Kenntnis genommen, wonach eine Militärbasis in Misrata als Ausgangspunkt für militärische Operationen gegen ausländische Akteure oder deren Interessen verwendet worden sein soll. Eine solche Nutzung bestreitet die Behörde kategorisch.
Nach Darstellung des libyschen Verteidigungsministeriums gibt es keinerlei Vereinbarungen, Absprachen oder Koordination, die eine Verwendung der Basis in Misrata oder eines anderen nationalen Militärstandorts für Angriffe oder militärische Operationen erlauben würden. Zulässig seien ausschließlich Einsätze im Rahmen der souveränen Aufgaben des libyschen Staates.
Die zentrale Behauptung stützt sich auf eine ukrainische Quelle
CNN hatte unter Berufung auf eine ukrainische Quelle berichtet, ukrainische Bediener unbemannter Systeme seien seit Ende 2025 im Nordwesten Libyens eingesetzt. Die Basis in Misrata werde demnach als Ausgangspunkt für Drohnen genutzt, die russische Öltanker der Schattenflotte im Mittelmeer zum Ziel hätten.
Der Bericht beschreibt damit eine konkrete operative Verbindung: Personal aus der Ukraine soll sich auf libyschem Territorium befinden, die Basis in Misrata soll als Ausgangspunkt dienen, und die Einsätze sollen gegen russische Schiffe im Mittelmeer gerichtet sein. Bestätigt ist durch das vorliegende Material jedoch nur, dass CNN diese Darstellung unter Berufung auf eine ukrainische Quelle veröffentlicht hat. Die libysche Regierung weist die behauptete Vereinbarung und jede entsprechende Koordination zurück.
Tripolis bestreitet jede Freigabe für ausländische Operationen
Die Formulierung des libyschen Ministeriums richtet sich nicht nur gegen eine mögliche Nutzung der Basis in Misrata. Sie umfasst ausdrücklich auch jeden anderen nationalen Militärstandort. Damit weist Tripolis zugleich die Grundlage zurück, auf der eine ausländische Drohnenoperation von libyschem Boden aus stattfinden könnte.
Die Behörde stellt die Frage als Souveränitäts- und Zuständigkeitsproblem dar: Libysche Militäranlagen dürften nur für Aufgaben verwendet werden, die dem libyschen Staat zugeordnet sind. Absprachen für Angriffe auf externe Ziele, so die Erklärung, existierten nicht. Das Ministerium bestreitet damit sowohl eine formelle Genehmigung als auch informelle Vereinbarungen oder eine operative Abstimmung.
Die Zurückweisung ist besonders relevant, weil der CNN-Bericht nicht lediglich eine politische Unterstützung, sondern eine dauerhafte Präsenz und eine konkrete militärische Infrastruktur beschreibt. Nach dieser Darstellung wäre Misrata nicht nur ein Aufenthaltsort ukrainischer Drohnenbediener, sondern ein logistischer Ausgangspunkt für Angriffe auf Schiffe im Mittelmeer gewesen. Genau diese Funktion schließt das libysche Verteidigungsministerium aus.
Der Angriff auf ein russisches Schiff verschärft den Widerspruch
Anfang März meldeten die libyschen Behörden, der russische Tanker-Gastanker „Arktischer Metagas“ sei nördlich des Hafens Sirte angegriffen worden. Nach ihrer Darstellung kam es zunächst zu plötzlichen Explosionen, anschließend brach ein schwerer Brand aus.
Moskau machte die Ukraine für den Angriff verantwortlich. Russische Behörden erklärten, das Schiff sei mit Seedrohnen angegriffen worden, die von der libyschen Küste aus gestartet worden seien. Diese Darstellung verbindet den Vorfall unmittelbar mit der Frage, ob libysches Gebiet als Ausgangspunkt für Angriffe auf russische Schiffe genutzt wurde.
Die vorliegenden Angaben ergeben damit eine klar umrissene, aber widersprüchliche Chronologie: CNN berichtete unter Berufung auf eine ukrainische Quelle über ukrainische Drohnenbediener und die Nutzung der Basis in Misrata. Anfang März wurde ein russischer Tanker-Gastanker nördlich von Sirte von Explosionen und einem Brand getroffen. Moskau schrieb den Angriff der Ukraine zu und nannte die libysche Küste als Ausgangspunkt. Tripolis bestreitet dagegen jede Vereinbarung, jede Koordination und jede Genehmigung für Angriffe oder andere militärische Operationen außerhalb libyscher Hoheitsaufgaben.
Der derzeit bestätigte politische und institutionelle Befund lautet deshalb: Libyen hat die behauptete Nutzung seiner Militärbasis für Angriffe auf russische Schiffe offiziell und kategorisch zurückgewiesen. Der Bericht über ukrainische Drohnenbediener in Nordwestlibyen und die Verbindung zum Angriff auf den „Arktischen Metagas“ bleibt im vorliegenden Material auf die von CNN zitierte ukrainische Quelle sowie die russische Beschuldigung gestützt; eine libysche Erlaubnis wird von Tripolis ausdrücklich bestritten.