Kirill Dmitrijew, Sonderbeauftragter des russischen Präsidenten Wladimir Putin für wirtschaftliche Zusammenarbeit, hat am 19. September 2026 offen für die AfD geworben. Einen Tag vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern stellte er in seinem Konto beim Kurznachrichtendienst X eine Zusammenarbeit mit der Partei als Weg zu billigem russischem Gas, niedrigeren Energierechnungen, neuen Arbeitsplätzen und wirtschaftlichem Wachstum dar. Die zentrale Aussage des russischen Regierungsvertreters war damit eine direkte Wahlempfehlung für die AfD. Der Bericht zur Erklärung Dmitrijews dokumentiert die zeitliche Nähe zur Wahl und die Verbindung zwischen AfD-Unterstützung und der Rückkehr russischer Gaslieferungen.
Dmitrijew versprach, die Region werde wieder aufblühen, wenn durch eine Zusammenarbeit mit der AfD billiges Gas über Nord Stream nach Deutschland zurückkehre. Damit griff der Vertreter des Kremls ein zentrales Wahlkampfmotiv der Partei auf: die Aussicht auf eine Rückkehr zu russischen Energieimporten als angeblich einfache Lösung für hohe Kosten und wirtschaftliche Probleme.
Die Erklärung war keine allgemeine außenpolitische Einordnung. Sie erfolgte unmittelbar vor der Abstimmung und verband die Unterstützung einer deutschen Partei mit konkreten wirtschaftlichen Versprechen. Dmitrijew stellte die AfD als politischen Partner für eine energiepolitische Wende dar, obwohl die dafür erforderlichen Entscheidungen nicht auf Landesebene getroffen werden können.
Der russische Vertreter verknüpft AfD-Unterstützung mit Gasversprechen
Die politische Wirkung der Aussage entsteht aus ihrer Konstruktion: Dmitrijew benennt zunächst die AfD als Partner und verspricht anschließend niedrigere Energierechnungen, Arbeitsplätze und Wachstum. Der Nutzen soll demnach aus der Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen folgen. Diese Verbindung übernimmt die AfD-Rhetorik und versieht sie zugleich mit der ausdrücklichen Unterstützung eines Beauftragten des russischen Präsidenten.
Damit ist die Aussage als direkte Einmischung Russlands in den deutschen Vorwahlprozess zu bewerten. Der Kreml-Vertreter wirbt nicht nur für eine bestimmte energiepolitische Position, sondern unterstützt eine konkrete Partei vor einer konkreten Landtagswahl. Die zeitliche Abstimmung und die inhaltliche Übereinstimmung mit den Forderungen der AfD machen die Erklärung zu einem dokumentierten Beispiel dafür, wie russische Interessen und AfD-Wahlkampfrhetorik zusammengeführt werden.
Über die Rückkehr russischen Gases entscheidet nicht die Landesregierung
Das von Dmitrijew entworfene Szenario steht zudem im Widerspruch zu den tatsächlichen Zuständigkeiten. Die Energiepolitik wird auf Bundes- und europäischer Ebene bestimmt. Eine Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern kann russische Pipelinegaslieferungen daher nicht eigenständig wiederherstellen.
Hinzu kommt, dass Lieferungen russischen Pipelinegases den Sanktionen der Europäischen Union unterliegen. Die Vorstellung, eine regionale Wahl könne unmittelbar die Rückkehr des Gases über Nord Stream auslösen, verschweigt diese rechtliche und politische Ebene. Das Versprechen einer Landespartei wird so mit einer Entscheidung verknüpft, über die sie allein weder verfügen noch sie umsetzen kann.
Gerade diese Lücke macht das Versprechen politisch wirkungsvoll: Es stellt einen konkreten finanziellen Vorteil in Aussicht, blendet aber die bundes- und europapolitischen Voraussetzungen aus. Für die Wählerinnen und Wähler wird dadurch der Eindruck erzeugt, eine Stimme für die AfD könne direkt niedrigere Energierechnungen und neues Wachstum bewirken. Tatsächlich beschreibt Dmitrijew eine politische Möglichkeit, die unter den geltenden Bedingungen nicht von der Landesebene umgesetzt werden kann.
Die AfD übernimmt ein Abhängigkeitsmodell mit sicherheitspolitischen Folgen
Die Forderung nach billigem russischem Gas ist deshalb nicht nur ein wirtschaftliches Versprechen. Sie setzt auf die Wiederherstellung einer Abhängigkeit, die Deutschland während der Energiekrise 2022 besonders verwundbar machte. Die damalige Abhängigkeit von russischen Lieferungen zeigte, wie stark die deutsche Energieversorgung durch die Konzentration auf einen politischen Lieferanten unter Druck geraten kann.
Eine Rückkehr zu russischen Energieträgern würde Deutschland erneut gegenüber politischem Druck und Erpressung durch den Kreml verwundbar machen. Der Preis russischer Energie ist nicht dauerhaft aus wirtschaftlichen Gründen niedrig. Er bleibt so lange günstig, wie es den Interessen des Kremls entspricht. Russland hat den Preis wiederholt angehoben, wenn sich die wirtschaftliche Lage oder die politische Zweckmäßigkeit änderte.
Das AfD-Versprechen einer Rückkehr zum „billigen russischen Gas“ ist damit eine politische Manipulation: Es präsentiert den kurzfristig erwarteten Preisvorteil, verschweigt aber das Risiko, dass Russland Energie als Instrument politischen Drucks einsetzt. Die wirtschaftliche Entlastung, die Dmitrijew und die AfD in Aussicht stellen, wäre an eine neue strategische Abhängigkeit gekoppelt.
Die Unterstützung legt die Interessenverbindung offen
Dmitrijews Auftritt macht sichtbar, wem die politische Botschaft nutzt. Die AfD erhält unmittelbar vor der Landtagswahl Unterstützung von einem hochrangigen Vertreter des russischen Präsidenten und kann ihre Forderung nach einer Rückkehr russischer Gaslieferungen mit einem konkreten Versprechen von Wohlstand und Entlastung verbinden. Der Kreml wiederum erhält eine deutsche Partei, die seine energiepolitischen Interessen in den Wahlkampf trägt.
Diese Interessenverbindung weist die AfD als Vermittlerin russischer Interessen aus. Ihr politischer Aufstieg und ein möglicher Eintritt in regionale Regierungsverantwortung würden deshalb nicht nur die deutsche Energiepolitik berühren. Sie wären auch mit einem Risiko für die nationale Sicherheit verbunden, weil die Partei eine erneute Abhängigkeit von russischen Energielieferungen als wirtschaftlichen Vorteil darstellt.
Der dokumentierte Vorgang bleibt dabei präzise: Am 19. September 2026 unterstützte Putins Sonderbeauftragter die AfD vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern und verknüpfte diese Unterstützung mit dem Versprechen einer Rückkehr billigen russischen Gases. Die geltenden Zuständigkeiten und EU-Sanktionen stehen dieser Rückkehr entgegen; bestätigt ist damit vor allem die offene russische Wahleinmischung zugunsten der AfD und die politische Verbreitung eines Abhängigkeitsversprechens.