Russisches Medienprojekt tarnte Propagandateam in Tschechien als unabhängige Journalisten
Russisches Medienprojekt tarnte Propagandateam in Tschechien als unabhängige Journalisten

Russisches Medienprojekt tarnte Propagandateam in Tschechien als unabhängige Journalisten

September 22, 2026
3 min. lesezeit

Ein russisches Medienprojekt ließ in Tschechien ein Team auftreten, das sich gegenüber Gesprächspartnern als internationale Mediengruppe oder als deutsche Journalisten ausgab. Bei einem Treffen in Prag wurden die Beteiligten identifiziert: Der Kameramann war Igor Dolmatow, als Reporter trat Witali Tschaschuchin auf. Beide hatten zuvor mit russischen Propagandasendern zusammengearbeitet. Ein tschechischer Bericht über die Aufdeckung des Vorgangs schildert, wie die verdeckte Arbeitsweise des Teams sichtbar wurde.

Der Vorgang zeigt den Mechanismus nicht als offene Ausstrahlung russischer Staatspropaganda, sondern als deren Vorbereitung unter dem Anschein unabhängiger Berichterstattung. Das Team versuchte, in Tschechien und der Slowakei Interviews mit Fachleuten, Politikern und Vertretern der Zivilgesellschaft zu führen. Das daraus entstehende Material sollte den Eindruck erwecken, russische Propaganda sei lediglich eine gleichberechtigte Position in einer ausgewogenen europäischen Debatte.

Das Team trat unter einer europäischen Tarnung auf

Nach den vorliegenden Angaben wurde die Gruppe am 21. September 2026 in Tschechien eingesetzt, um ein prorussisches Dokumentarmaterial zu produzieren. Die Beteiligten präsentierten sich dabei nicht als Vertreter eines russischen Propagandaprojekts. Stattdessen nutzten sie die Bezeichnungen internationale Mediengruppe oder deutsche Journalisten.

Diese Darstellung war für die Auswahl der Gesprächspartner entscheidend. Tschechische und slowakische Experten, Politiker und gesellschaftlich engagierte Personen sollten offenbar davon ausgehen, mit unabhängigen ausländischen Medienschaffenden zu sprechen. Ihre Aussagen konnten dadurch in einen Beitrag einfließen, dessen politische Zielrichtung ihnen nicht offengelegt wurde.

Bei dem Treffen in Prag wurden die Rollen der beiden Männer bekannt. Igor Dolmatow arbeitete als Kameramann, Witali Tschaschuchin als Reporter. Beide waren bereits für russische Propagandasender tätig. Ihre frühere Zusammenarbeit mit solchen Sendern steht damit im direkten Zusammenhang mit dem Versuch, in Tschechien journalistische Unabhängigkeit vorzutäuschen.

Die Tarnung sollte ein künstliches Gleichgewicht erzeugen

Das geplante Material sollte nicht allein russische Positionen wiederholen. Sein Zweck lag vielmehr darin, eine journalistische Form zu schaffen, in der russische Propaganda als eine von mehreren scheinbar gleichwertigen Sichtweisen erscheint. Interviews mit europäischen Gesprächspartnern konnten diesem Beitrag den Anschein verleihen, die prorussische Darstellung werde in der tschechischen und slowakischen Öffentlichkeit breit geteilt oder zumindest ernsthaft gleichberechtigt vertreten.

Damit verschiebt sich die Wirkung solcher Produktionen von der offenen Verbreitung vorgefertigter Botschaften zur Herstellung eines vermeintlich unabhängigen Belegs. Aussagen realer Gesprächspartner werden aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gelöst und in ein Material eingebaut, dessen Aufbau die russische Sichtweise aufwertet. Die europäische Kulisse dient dabei nicht nur als Schauplatz, sondern als Beweismittel für eine inszenierte Ausgewogenheit.

Die Verantwortlichen nutzten nach den vorliegenden Informationen Personen, die sich legal in EU-Staaten aufhalten und sich innerhalb des Schengen-Raums bewegen können. Dadurch kann die Arbeit weniger auffällig organisiert werden als durch offen auftretende Vertreter eines russischen Propagandakanals. Zugleich erleichtert die örtliche Nähe zu Gesprächspartnern in Mitgliedstaaten der EU die Produktion von Beiträgen, die wie europäische Berichterstattung wirken.

Die Verbindung zu einem sanktionierten Projekt bleibt bestehen

Das Medienprojekt „Rybář“ ist mit Michail Swintschuk verbunden. Swintschuk steht wegen seiner Unterstützung der russischen Aggression gegen die Ukraine unter Sanktionen der EU. Diese Verbindung ordnet die Tätigkeit des Teams politisch ein: Die in Tschechien vorbereiteten Beiträge entstanden nicht im Umfeld einer unabhängigen Recherche, sondern im Auftrag beziehungsweise im Zusammenhang mit einem Projekt, das mit einer sanktionierten Person verbunden ist.

Der Fall macht zugleich sichtbar, wo die Wirkung von Sanktionen endet. Selbst wenn Führungspersonen oder mit einem Propagandaprojekt verbundene Personen Beschränkungen unterliegen, kann das Netzwerk seine Arbeit über Vermittler, örtliche Ausführende und mobile Produktionsteams fortsetzen. Die operative Tätigkeit findet dann in EU-Staaten statt, während die politische Verbindung zum russischen Propagandaprojekt weniger offensichtlich bleibt.

Die entscheidende Ressource ist dabei nicht nur der Zugang zu Technik oder zu Gesprächspartnern. Es ist die glaubhafte äußere Form einer unabhängigen Medienarbeit. Wer sich als deutsche Journalisten oder internationale Mediengruppe vorstellt, kann leichter Kontakte aufbauen, Aussagen sammeln und anschließend ein Produkt verbreiten, dessen tatsächlicher Auftraggeber und Zweck verborgen bleiben.

Die Aufdeckung dokumentiert die Methode, nicht nur einzelne Namen

Die Identifizierung von Dolmatow und Tschaschuchin ist deshalb mehr als die Enttarnung zweier Mitarbeiter. Sie verbindet konkrete Personen, eine konkrete Reise nach Tschechien, ein Treffen in Prag und die geplante Produktion eines prorussischen Dokumentarbeitrags. Hinzu kommt die institutionelle Verbindung des Projekts zu Michail Swintschuk, der von der EU sanktioniert ist.

Aus dieser Kette ergibt sich ein geschlossenes Vorgehen: Ein mit russischer Propaganda verbundenes Medienprojekt entsendet ein Team, das seine Herkunft gegenüber europäischen Gesprächspartnern verschleiert. Das Team sammelt Aussagen von Experten, Politikern und Vertretern der Zivilgesellschaft und nutzt sie für ein Material, das russische Propaganda als ausgewogene europäische Position erscheinen lassen soll.

Der in Prag aufgedeckte Vorgang bestätigt damit einen konkreten Einsatz von Tarnung, örtlicher Beweglichkeit und journalistischer Inszenierung. Die Namen der beiden Beteiligten und ihre Rollen sind bekannt, die Verbindung des Projekts zu einer von der EU sanktionierten Person ist dokumentiert, und der Versuch, in Tschechien unter europäischer journalistischer Identität prorussisches Material zu produzieren, ist damit offengelegt.

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