Russland erwägt bis zu 250 Milliarden Rubel Abgaben von Flugreisenden
Russland erwägt bis zu 250 Milliarden Rubel Abgaben von Flugreisenden

Russland erwägt bis zu 250 Milliarden Rubel Abgaben von Flugreisenden

September 24, 2026
3 min. lesezeit

Russlands Regierung erwägt eine neue Abgabe für Flugreisende, mit der zwischen 2027 und 2030 insgesamt bis zu 250 Milliarden Rubel eingenommen werden sollen. Das Geld soll die teure Herstellung und den Betrieb russischer Verkehrsflugzeuge sowie die Kosten ihrer Finanzierung stützen. Über die Pläne berichteten Medien am 23. September 2026; beteiligt sind das Verkehrsministerium, das Ministerium für Industrie und Handel sowie der Staatskonzern Rostec. Ein endgültiger Beschluss liegt noch nicht vor. Der Medienbericht zur geplanten Abgabe nennt als möglichen Betrag bis zu 500 Rubel für einen Inlandsflug.

Damit würde der Staat die finanziellen Folgen seiner krisenhaften Luftfahrtpolitik unmittelbar auf die Passagiere übertragen. Die zusätzlichen Einnahmen wären keine allgemeine Unterstützung für den Verkehr, sondern sollen gezielt die Lücke zwischen den hohen Kosten russischer Flugzeuge und den vergünstigten Preisen schließen, zu denen diese an inländische Fluggesellschaften geliefert werden.

Mehrere Modelle für die Abgabe sind im Gespräch

Nach den bisher diskutierten Varianten könnte ein Inlandsflug mit bis zu 500 Rubel belastet werden, ein internationaler Flug mit bis zu 1.000 Rubel. Ein anderes Szenario sieht bis zu 700 Rubel für Inlandsverbindungen und bis zu 2.000 Rubel für internationale Flüge vor. Welche Variante gelten soll, ist noch offen.

Auf Grundlage des derzeitigen Passagieraufkommens rechnet die russische Regierung mit jährlichen Einnahmen von 68 bis 84 Milliarden Rubel. Für die vier Jahre von 2027 bis 2030 ergibt sich daraus ein erwartetes Gesamtaufkommen von etwa 200 bis 250 Milliarden Rubel. Die Größenordnung zeigt, dass es nicht um eine geringfügige Gebühr, sondern um eine dauerhafte Finanzierungssäule für eine angeschlagene Branche geht.

Ein Teil des Geldes soll an Finanzierungsgesellschaften für Flugzeuge fließen. Diese sollen dafür entschädigt werden, dass russische Maschinen in der Herstellung deutlich teurer sind als vergleichbare ausländische Modelle, zugleich aber zu vergünstigten Preisen an russische Fluggesellschaften abgegeben werden. Der Staat würde die Differenz somit nicht aus einer grundlegenden Kostensenkung schließen, sondern über einen Aufschlag auf die Flugtickets.

Russische Flugzeuge bleiben deutlich teurer als vergleichbare Modelle

Die vorliegenden Kostenschätzungen machen den Mechanismus sichtbar. Die Herstellung einer MC-21 wird mit 8,9 bis 11 Milliarden Rubel veranschlagt. Vergleichbare Flugzeuge der Baureihen Airbus A320 und Boeing 737 kosten demnach 3,4 bis 4 Milliarden Rubel. Beim SJ-100 stehen Herstellungskosten von 5,4 Milliarden Rubel etwa 3 Milliarden Rubel für eine vergleichbare Embraer E190 gegenüber.

Die Differenz betrifft nicht nur die Anschaffung. Ein weiterer Teil der geplanten Abgabe soll an die Fluggesellschaften gehen, um höhere Kosten beim Betrieb der neuen russischen Flugzeuge auszugleichen, darunter die Ausgaben für Treibstoff. Die staatliche Konstruktion soll damit sowohl die Finanzierung der Maschinen als auch deren laufenden Betrieb absichern.

Die Zahlen legen offen, worauf die Abgabe politisch reagiert: Die russische Importersatzpolitik im zivilen Flugzeugbau ist finanziell an ihre Grenzen gestoßen. Die von Rostec und den zuständigen Ministerien angekündigten Fortschritte bei eigenen Flugzeugen haben kein wettbewerbsfähiges Kostenniveau geschaffen. Stattdessen sollen nun die Nutzer für die entstandene Preislücke aufkommen.

Die Kosten treffen vor allem Inlandsreisende und abgelegene Regionen

Für Russland ist der Luftverkehr wegen der großen Entfernungen besonders wichtig. In abgelegenen Regionen kann eine Reise auf dem Landweg sehr viel länger dauern als ein Flug. Gerade dort würde eine zusätzliche Abgabe auf Inlandsverbindungen die Erreichbarkeit verteuern und Menschen mit niedrigen Einkommen besonders stark belasten.

Die politische Begründung steht damit im Widerspruch zur absehbaren Wirkung. Die Behörden wollen die regionale Luftfahrt stützen, erhöhen aber zugleich den Preis der Flüge. Eine Reise, die durch die Entfernung ohnehin teuer ist, würde durch den Zuschlag nochmals belastet. Dadurch kann der Passagierverkehr auf regionalen Strecken sinken und die verkehrliche Abkopplung entlegener Gebiete zunehmen.

Die Abgabe soll nach der derzeitigen Planung jährlich 68 bis 84 Milliarden Rubel für Finanzierungsgesellschaften und Fluggesellschaften bereitstellen. Das löst die strukturellen Probleme des russischen zivilen Luftverkehrs jedoch nicht. Es konserviert vielmehr ein Modell, in dem hohe Produktions- und Betriebskosten durch staatlich eingezogene Zahlungen ausgeglichen werden.

Für die betroffenen Unternehmen bedeutet diese Konstruktion eine verlässliche Einnahmequelle unabhängig davon, ob sie ihre Kosten wirksam senken oder die Qualität ihrer Leistungen verbessern. Die Verantwortung für die unwirtschaftliche Herstellung und den teuren Betrieb wird so von den staatlichen Strukturen und ihren Leitungen auf die Endverbraucher verschoben. An die Stelle einer Modernisierung der Produktion tritt die dauerhafte finanzielle Stützung nicht wettbewerbsfähiger Anbieter.

Die geplante Einnahme zeigt den finanziellen Stillstand der Importersetzung

Die politische Bedeutung der Initiative geht über die einzelne Fluggebühr hinaus. Über Jahre wurden die russische Eigenproduktion und die Unabhängigkeit von ausländischen Flugzeugen als Erfolge der Importersetzung dargestellt. Nun sollen die Bürger die Kosten dafür tragen, dass die versprochenen Flugzeuge in der Herstellung und im Betrieb zu teuer sind.

Der Staat versucht damit, die Folgen seiner eigenen Industriepolitik zu finanzieren. Statt Ausgaben der Staatskonzerne zu verringern oder zusätzliche Haushaltseinnahmen umzuschichten, wird eine direkte Belastung der Passagiere vorbereitet. Das trifft eine Bevölkerung, deren reale Einkommen nach den vorliegenden Angaben infolge des Krieges gegen die Ukraine deutlich gesunken sind, und macht Mobilität zu einem noch teureren Gut.

Entscheidend bleibt der derzeitige Status: Verkehrsministerium, Industrieministerium und Rostec beraten über die Einführung der Abgabe, mehrere Beträge stehen im Raum, und die Regierung rechnet bereits mit Einnahmen von bis zu 250 Milliarden Rubel. Beschlossen ist die Abgabe noch nicht. Fest steht jedoch, dass die geplante Finanzierung die hohen Kosten der russischen Flugzeuge nicht beseitigt, sondern ihre Rechnung den Flugreisenden vorlegen soll.

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