Florian Philippot macht den Austritt aus EU und NATO zum Wahlkampfthema
Florian Philippot macht den Austritt aus EU und NATO zum Wahlkampfthema

Florian Philippot macht den Austritt aus EU und NATO zum Wahlkampfthema

Oktober 5, 2026
2 min. lesezeit

Auf dem Pariser Palais-Royal haben am 3. Oktober 2026 mehrere Hundert Menschen den Austritt Frankreichs aus der Europäischen Union und der NATO gefordert. Organisiert wurde die Kundgebung von Florian Philippot, dem Vorsitzenden der rechtsextremen, euroskeptischen und prorussischen Partei „Die Patrioten“, der bei der Präsidentschaftswahl 2027 antreten will.

Die Demonstranten verbanden außenpolitische Forderungen mit sozialen und wirtschaftlichen Anliegen: Sie verlangten niedrigere Steuern auf Benzin, weniger Ausgaben für die französischen Streitkräfte und ein Ende der finanziellen und militärischen Unterstützung für die Ukraine. Weniger Geld für Verteidigung und internationale Verpflichtungen, so die Logik der Kundgebung, solle den Lebensstandard in Frankreich verbessern.

Über die Kundgebung berichteten unter anderem russische Medien sowie . Die Berichte beschrieben Proteste gegen die Unterstützung Kiews und gegen eine französische Beteiligung an einem möglichen Krieg.

Ein Bündel aus Austritt, Einsparungen und Ukraine-Kritik

Philippot stellt den Austritt aus EU und NATO ins Zentrum seiner politischen Linie. In Paris wurde diese Forderung mit der Teuerung und dem Streit über die französische Unterstützung der Ukraine verknüpft. Die Botschaft war bewusst einfach: Frankreich solle seine Bündnisse verlassen, die Hilfe für die Ukraine einstellen, die Verteidigungsausgaben senken und die frei werdenden Mittel für die eigene Bevölkerung einsetzen.

Ein Austritt aus der NATO wäre jedoch nicht nur eine symbolische Änderung der französischen Außenpolitik. Das Bündnis organisiert gemeinsame Verteidigungsplanung, militärische Zusammenarbeit und die Abstimmung im Krisenfall. Frankreich müsste klären, wie es Abschreckung und Beistand für europäische Partner außerhalb dieses Rahmens gewährleisten wollte – zumal Philippots Partei zugleich für geringere Ausgaben der französischen Armee eintritt.

Der Austritt aus der EU hätte noch weitreichendere Folgen. Er würde Frankreichs Beteiligung am Binnenmarkt, an gemeinsamen Institutionen und an europäischen Entscheidungsprozessen infrage stellen. Auf der Kundgebung wurde der politische Bruch gefordert, ohne dass ein konkreter Ersatz für diese wirtschaftlichen und institutionellen Beziehungen erkennbar wurde.

Eine kleine Partei sucht die nationale Bühne

Wahlpolitisch startet Philippot aus einer Randposition. Bei der Europawahl erhielten „Die Patrioten“ weniger als ein Prozent der Stimmen. Für seine Kandidatur bei der französischen Präsidentschaftswahl 2022 konnte Philippot außerdem nicht die erforderliche Zahl an Unterstützungsunterschriften sammeln.

Seine geplante Kandidatur für 2027 gibt der Partei dennoch die Möglichkeit, ihre Themen landesweit zu platzieren. Gerade die Verbindung von Außenpolitik und Alltagskosten kann einer kleinen politischen Kraft Aufmerksamkeit verschaffen: Die Unterstützung für die Ukraine wird dabei nicht nur als Frage der internationalen Sicherheit dargestellt, sondern auch als Belastung für Benzinpreise, Steuern und staatliche Ausgaben.

Die Positionen stoßen auf ein zunehmend angespanntes sicherheitspolitisches Umfeld. Regierungen in der Europäischen Union verweisen auf eine Verschlechterung der globalen Sicherheitslage und auf militärische Risiken durch Russland, Iran, China und Nordkorea. Zugleich warnen europäische Staaten vor hybriden Aktivitäten Russlands. Vor diesem Hintergrund stehen Philippots Forderungen nach einem NATO-Austritt und einer geschwächten französischen Verteidigungspolitik quer zum Kurs der meisten EU-Regierungen.

Die geringe bisherige Wahlerfahrung der Partei lässt offen, ob Philippot seine Kundgebungsunterstützung in eine erfolgreiche Präsidentschaftskandidatur umwandeln kann. Sicher ist vorerst nur, dass er den Austritt aus den zentralen europäischen und transatlantischen Bündnissen in die politische Debatte über Frankreichs Kurs im Jahr 2027 bringen will.

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